Gehälter: 58 Prozent Steigerung für BP-Chef - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gehälter 58 Prozent Steigerung für BP-Chef

Der Chef des Öl-Giganten BP, Lord Browne, hat im vergangenen Jahr rund 58 Prozent mehr Gehalt kassiert. Das hat unter den britischen Autofahrern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Der Baranteil von Lord Brownes Bezügen sei im Jahr 2001 von 2,7 Millionen Dollar auf 4,3 Millionen Dollar gestiegen, berichtet die britische Zeitung "Guardian" unter Berufung auf Firmenangaben. 3,7 Millionen Dollar habe der Anteil der variablen Gehaltsbestandteile betragen. Hinzu kommen Optionen für 1,3 Millionen BP-Aktien zu einem Kurs von 8,04 Dollar. Insgesamt ergebe sich nach Berechnung der Experten daraus ein Gesamtgehalt in Höhe von mehr als 8,7 Millionen Dollar.

Die Nachricht kommt für den britischen Ölmulti denkbar ungelegen. Denn sein Ansehen in der Öffentlichkeit ist zurzeit ohnehin nicht sehr hoch. Mehrfache Erhöhungen der Rohölpreise in den vergangenen Monaten hatten bereits roteste unter den Autofahrern entfacht. Die Road Haulage Association, die die britischen Trucker vertritt, monierte, viele ihrer Mitglieder müssten wegen der hohen Spritpreise um ihre Existenz kämpfen, während Browne sich die Taschen voll stopfe.

Der Gehaltszuwachs für Lord Browne könnte aber auch die Aktionärsschützer auf den Plan rufen, denn im gleichen Zeitraum 2001 war der Gewinn des Konzerns auf 13,2 Milliarden gegenüber 14,2 Milliarden Dollar zurückgegangen.

Das Thema Managergehälter steht auch bei der britischen Regierung ganz oben auf der Tagesordnung. Sie war durch die Besorgnis von Fondsmanagern, dass die variablen Gehaltsbestandteile nach US-Vorbild zu einer Inflation bei den Top-Gehältern führen könnte, alarmiert worden und hatte bereits Gespräche mit den großen Konzernen eingeleitet.

In dieser Situation bleibt dem Ölmulti nur die Flucht nach vorn. Der 53-Jährige sei jeden Penny seines Gehalts wert, stellte ein Unternehmenssprecher fest. Immerhin habe Browne das Unternehmen aus der zweiten Liga geführt und zum zweitgrößten Ölkonzern der Welt gemacht. Auch würden andere Topmanager wie etwa Vodafone-Chef Chris Gent (rund 13,76 Millionen Dollar) noch mehr verdienen, die Bosse von US-Ölgesellschaften sogar dreimal so viel.

Browne hatte BP durch eine Reihe von Akquisitionen und durch die Fusion mit den Ölunternehmen Amoco, Arco und Burmah Castrol zum größten Konzern Großbritanniens ausgebaut. Für seine Leistung war Browne vor zwei Monaten unter die "25 Top-Managers of the Year" gewählt worden, eine globale Bestenliste des US-Wirtschaftsmagazin "Business Week".