Gehaltsverzicht Telekom-Vorstand will mitsparen
Bonn - Personalvorstand Heinz Klinkhammer hatte vor einigen Wochen den Vorschlag unterbreitet, Gehälter und Arbeitszeiten bei 100.000 Beschäftigten des Unternehmens um zehn Prozent zu senken. Durch den Lohnverzicht könnten 10.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Bis Ende 2005 will Europas größter Telekommunikationskonzern mehr als 40.000 Stellen einsparen. Betroffen von den Stellenkürzungen ist vor allem die Festnetzsparte T-Com.
Über den Sparvorschlag des Vorstands wird derzeit mit der Gewerkschaft verhandelt. Diese hatte die Kürzungspläne als indiskutabel zurück gewiesen. Den Arbeitnehmern könne man nicht allein die Lasten aufbürden.
Hohe Gehälter als Imageproblem
Mehrer Politiker hatten sich am Wochenende für maßvollere Vorstandsgezhälter ausgesprochen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) forderte in der "Bild am Sonntag", die Manager-Saläre künftig strikt an den Unternehmenserfolg zu koppeln. "Wer erfolgreich ist, soll ordentlich Verdienen", so Schröder. "Da bin ich überhaupt nicht neidisch. Aber wenn das nicht der Fall ist, müssen die Gehälter auch kräftig sinken."
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wurde noch deutlicher. "Das ist ein obszöner Vorgang: An einem Ende verlangt man unvermeidliche Einbußen, am anderen steigen die ohnehin schon irrsinnigen Gehälter der Vorstandsmitglieder noch weiter", ereiferte sich der SPD-Vize in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Reformbereitschaft und Verzichtskultur müssen in den oberen Etagen beginnen, wenn das Land schnell gesunden soll."
Wirtschaft wächst nicht, Gehälter schon
Auslöser des jüngsten Zorns ist eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Demnach stiegen die Vorstandsgehälter bei den 30 im Dax notierte Großkonzernen 2002 trotz Konjunkturkrise deutlich an. Im Durchschnitt verdiente ein Vorstand 1,25 Millionen Euro - 90.000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Zugleich schrieben mehrere Konzerne Milliardenverluste, in vielen Unternehmen wurden Stellen abgebaut, und die Einkommen der Normalverdiener stiegen kaum.
Nach der DSW-Studie gibt es krasse Unterschiede zwischen den Unternehmen. Mit Abstand am besten kamen die Bosse bei DaimlerChrysler weg. Dort erhöhten sich die Vorstandsvergütungen binnen Jahresfrist um 130 Prozent. Dagegen zahlte der Chipproduzent Infineon seinen Vorständen vergleichsweise magere 278.261 Euro - allerdings entsprach dies gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung um 37,5 Prozent.