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LOGISTIK Gelbe Offensive

Mit Milliarden-Investitionen plant die Deutsche Post den Einstieg in den riesigen chinesischen Markt - ein Kraftakt mit ungewissem Ausgang.
• aus DER SPIEGEL 18/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aus Sicht der Investoren hatte Klaus Zumwinkel fast nur positive Meldungen parat. Umsatz und Gewinn der Deutschen Post AG, verkündete der Rheinländer kürzlich am Konzernsitz in Bonn, seien gewachsen, das Unternehmen habe mehr als drei Milliarden Euro in der Kasse.

Weil sich alles so günstig entwickelt, will Zumwinkel kräftig expandieren. Und zwar in Europa: Dort, so der Post-Chef, seien die Bedingungen durch die Liberalisierung des Briefdienstes gerade sehr günstig. In England oder Italien beispielsweise könne sich der Logistikkonzern weitere Zukäufe vorstellen. Was Zumwinkel der Öffentlichkeit nicht verriet: Die Post mit ihren rund 320 000 Beschäftigten will ihre Geschäfte nicht nur auf dem Heimatkontinent gewaltig ausdehnen.

Im Verborgenen arbeiten Zumwinkel und seine Mannen unter Hochdruck an einem wesentlich spektakuläreren Coup: dem Einstieg des deutschen Transportkonzerns in den gewaltigen chinesischen Markt.

Mehr als eineinhalb Milliarden Euro will das Unternehmen, das sich noch zu 69 Prozent in Staatsbesitz befindet, in den nächsten zwei bis drei Jahren im Reich der Mitte investieren. Die Post AG soll, so geht es aus einem internen »Strategiepapier China« hervor, zum wichtigsten ausländischen Logistikdienstleister in China werden. Und das so schnell wie möglich.

Ende Februar bereits war Zumwinkel zusammen mit seinem Aufsichtsratschef Josef Hattig zu einem Blitzbesuch nach Peking gestartet, um mit der chinesischen Regierung über den Einstieg des gelben Riesen in den Milliarden-Markt zu verhandeln. Das Ergebnis der Gespräche: Die Chancen für einen Ausbau der Geschäfte sind hervorragend.

Schon heute ist die Deutsche Post in China der führende ausländische Anbieter von Logistikdienstleistungen. So verfügt der Anfang des Jahres von der Post mehrheitlich übernommene Luftfracht-Experte DHL über einen Marktanteil von mehr als 35 Prozent. Konkurrenten wie die US-Größen UPS oder Fedex kommen lediglich auf 9 beziehungsweise 11 Prozent.

Zwar ist das Marktvolumen mit knapp 300 Millionen Euro bei Luftexpressdiensten für 2001 noch relativ gering. Aber die prognostizierten Wachstumsraten sind enorm. Schon bis zum Jahr 2005, heißt es in der Post-Studie zu China, werde das Volumen auf rund 500 Millionen Euro anwachsen. Und auch in den Folgejahren dürften die Wachstumsraten eher im zweistelligen Bereich liegen.

Doch nicht nur bei den Expressdiensten ist die Post nach eigener Einschätzung gut positioniert. Auch der Spediteur Danzas, den sich Zumwinkel 1999 einverleibte, ist seit über zwölf Jahren im China-Geschäft tätig und verfügt über immense Erfahrung. So besitzt Danzas als einziges europäisches Unternehmen Lizenzen zur Beförderung jedweder Güter in China. Mit 20 Niederlassungen und knapp einem Dutzend Lagerhäusern versorgt die Firma namhafte Kunden wie Nokia, Siemens oder Shell. Und selbst im klassischen Briefbereich ist die Post über mehrere Joint Ventures mit lokalen Partnern engagiert.

Zumwinkel will mehr: Über eine halbe Milliarde Euro sollen allein im laufenden Jahr noch in Niederlassungen, Standorte, Lager- und Sortieranlagen in China investiert werden. Die Deutsche Post AG, heißt es in dem internen Strategiepapier, soll in dem florierenden »asiatisch-pazifischen Raum zum führenden Anbieter in allen Logistikbereichen ausgebaut werden«.

Doch den gewaltigen Chancen in dem Markt mit seinen 1,2 Milliarden Konsumenten, wissen Experten, stehen auch Risiken gegenüber. So sind die Rahmenbedingungen für Investitionen alles andere als sicher. Beim Briefdienst beispielsweise darf sich die Post in den unterschiedlichen Regionen Chinas nur als kleiner Minderheitsgesellschafter bestehender Postdienste engagieren. Ob die vergebenen Lizenzen zur Beförderung von Paketen und Briefen erhalten bleiben oder vielleicht sogar ausgeweitet werden, ist alles andere als sicher.

Außerdem gibt es Zweifel, ob Post-Chef Zumwinkel die zahlreichen Unternehmen, die er in den vergangenen vier Jahren in Europa und den USA in einer bis dato einzigartigen Einkaufstour übernommen hat, auch in den Gesamtkonzern integrieren kann. Vielleicht, warnen Kritiker des Offensivdrangs, wäre es gesünder, vor weiteren Expansionen erst einmal eine Pause einzulegen, um eine weltweit einheitliche Strategie und Marke aufzubauen.

Zumwinkel selbst wischt solche Befürchtungen beiseite. Die Pflöcke auf dem boomenden chinesischen Markt, sagt er, würden jetzt und nicht erst in ein oder zwei Jahren eingeschlagen.

Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen Gespräche aufgenommen, um bei Olympia 2008 in Peking offizieller Logistikpartner zu werden. Angesichts der überragenden Bedeutung, die China diesem Ereignis beimisst, gibt sich ein hochrangiger Post-Manager überzeugt, »würde uns das einen gewaltigen Schritt voranbringen«. FRANK DOHMEN

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