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ENERGIE Geld von Gates

Ein Deutscher will den ersten Solarkonzern der Welt schaffen. Bisher können die Anleger zufrieden sein - dank der Hilfe der rot-grünen Regierung.
• aus DER SPIEGEL 22/2000
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An großen Plänen mangelt es Frank Asbeck nicht. »Wir bauen hier am Rhein mit 50 Megawatt die weltgrößte Solarmodulfabrik«, sagt der Vorstandssprecher der SolarWorld AG, »Bonn wird Sun City.«

Asbeck, 40, ist ein Jungunternehmer der etwas anderen Art: Er setzt nicht auf Internet und virtuelle Welten, sondern auf alternative Energien, vor allem auf die Sonne.

Bislang mit bemerkenswertem Erfolg: Der Kurs seiner SolarWorld-Aktien, Ausgabepreis 13,75 Euro, hat sich seit dem Börsengang Anfang November auf über 50 Euro fast vervierfacht. Selbst der Software-Milliardär Bill Gates hat einige Millionen in die Bonner Solarstromfirma investiert.

»Wir sind schneller und wendiger als die Großen in einem explodierenden Markt«, sagt der gelernte Ingenieur. Dass der Markt boomt, verdankt der Unternehmer freilich der Politik: Das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) der rot-grünen Bundesregierung subventioniert ins Netz eingespeisten Strom aus Sonne mit 0,99 Mark pro Kilowattstunde; mit dem so genannten 100 000-Dächer-Programm will der Bund in den nächsten vier Jahren rund 300 Megawatt Solarstrom fördern. Die Nachfrage übersteigt die Produktionskapazitäten im Photovoltaiksektor um ein Mehrfaches.

Die Bundesregierung lässt sich die Solarförderung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bis 2004 jährlich mehr als 200 Millionen Mark kosten. Für Asbeck ist ein Primär-Energieanteil von 15 Prozent durch Solarenergie bis 2010 »durchaus realistisch«. Der Kilowattstunden-Preis könne dabei in den nächsten vier Jahren um 75 Prozent auf 25 Pfennig sinken.

Und so träumt der Unternehmer von einem »sicheren Milliardenmarkt«. Ganz unbegründet sind solche Hoffnungen wohl nicht. Die Situation sei durchaus vergleichbar mit dem Mobilfunkmarkt von vor zehn Jahren, meinen Bankanalysten.

Durchschnittlich um 17 Prozent werde der Solarmarkt »auf Grund des sehr günstigen politischen Umfeldes« in den nächsten zehn Jahren wachsen, errechnete die Bank Sarasin in Basel in einer Studie aus dem Jahr 1999. Da es sich um eine »junge Technik mit hohem Innovationsrhythmus« handle, sei auch ein »starker, schneller Fall« der Produktionskosten zu erwarten, mutmaßen die Schweizer.

Gefahr droht dem Geschäft allerdings aus Brüssel: Dort sind die Lobbyisten der traditionellen Energiekonzerne aktiv. Mit immer neuen Anläufen versuchen sie, die deutsche Solarförderung als nicht statthafte und wettbewerbsverzerrende Unterstützung zu Fall zu bringen.

Mit der Einspeisevergütung werde der jahrelang geforderte industrielle Produktions- und Preisdurchbruch für Solarzellen erstmals »in greifbare Nähe gerückt«, hält Asbeck dagegen. Wind und Sonne seien die einzigen Energieträger, die auf lange Sicht billiger würden.

Das aggressive Unternehmensziel des Rheinländers: Er will den »ersten vollintegrierten Solarkonzern der Welt« schaffen, der systematisch vom aufbereiteten Quarzsand für die Siliziumscheiben (Wafer) über die Halbleiterzellen bis zur Wechselstrom-Schaltanlage »alles aus einer Hand bereithält«. Für den Anlagenbau werden von SolarWorld in diesem Jahr 8000 Elektroinstallateure zu so genannten Solateuren weitergeschult.

Mit der laufenden Kapitalerhöhung, die rund 60 Millionen Mark einbringen soll, will Asbeck auf Einkaufstour gehen, um die »gesamte Wertschöpfungskette« bei SolarWorld zu konzentrieren. Oben auf dem Einkaufszettel stehen die Erfurter Modulfertigung Ersol, die Waferproduzenten der Bayer Solar in Freiberg/Sachsen und eine Zellenproduktion in Taiwan.

Parallel zur Solarenergie baut Asbeck als zweites Standbein die Windenergie aus. Bis 2004 wird SolarWorld sechs Windparks mit 100 Megawatt allein in der Eifel errichten. »Da haben wir küstenähnliche Windverhältnisse mit entsprechenden Einnahmen«, sagt er.

Für die kommenden Jahre sieht der Unternehmer vor allem für die ländlichen Gebiete in der Dritten Welt mit Photovoltaik einen Zuwachs an Lebensqualität. Der ehemalige Motorrad-Globetrotter, der sein erstes eigenes Geld mit dem Reparieren von Palmöl-Extraktionsanlagen in Nigeria verdiente, will in absehbarer Zeit auch Billigsolarmodule für arme Länder produzieren. »Gib den Leuten Strom«, sagt Asbeck, »und du senkst die Geburtenrate in den Hütten um zehn Prozent.« HEINZ SUHR

Heinz Suhr
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