Geldanlage "Reine Abzockerei"
Hamburg - "Betrüger haben am Kapitalmarkt derzeit Hochkonjunktur", sagt Medard Fuchsgruber, Vorsitzender des Bundes der Kapitalanleger (bdka). "Die fallenden Aktienkurse sorgen dafür, dass Anleger mit vermeintlich renditestarken Angeboten geködert werden, die sich bei genauem Hinsehen als reine Abzockerei erweisen."
Besonders aktiv sind laut Fuchsgruber derzeit Anbieter überteuerter Eigentumswohnungen. Deren Preise enthielten oft bis zu 50 Prozent an "Weichkosten", also Gebühren und Provisionen, die für den Anleger nicht erkennbar seien. Auf der "Warnliste" der Stiftung Warentest finden sich rund 300 Anbieter, die den Verbraucherschützern in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind.
Eine Renaissance erlebten auch Warentermingeschäfte per Telefon, sagt Fuchsgruber. Dabei machten sich die Anbieter den schwachen Aktienmarkt zu Nutze, indem sie Anlegern suggerierten, sie könnten gerade bei fallenden Kursen viel Geld verdienen.
Der Anlegerschützer schätzt den durch den grauen Kapitalmarkt verursachten Schaden auf jährlich 40 Milliarden Mark. Sein Verein mit Sitz im saarländischen Ottweiler ist die einzige Anlegerschutzgemeinschaft in Deutschland, die sich auf den grauen Markt spezialisiert hat. Sie will den Investoren Orientierung in diesem besonders undurchsichtigen Marktsegment bieten, das keiner Kontrolle unterliegt.
Eine sehr verbreitete Falle seien auch windige Steuersparmodelle, wie atypisch stille Beteiligungen an Firmen, bei denen der Anleger sich mit einer festen Summe engagiere. "Das Argument, man könne Steuern sparen, zieht derzeit besonders gut und wird für viele betrügerischen Angebote genutzt", sagt Fuchsgruber.
Mit der geplanten Rentenreform könnte die Zahl der Betrogenen sprunghaft ansteigen. Fuchsgruber: "Wenn die erst einmal beschlossen ist, werden ganze Kompanien dubioser Berater ausrücken und Interessenten mit angeblich staatlich geförderten Produkten ködern".