Geldmarkt EZB belässt Leitzins auf Rekordtief
Frankfurt am Main - Der Leitzins rangiert weiter auf einem Rekordtief: bei 1,0 Prozent. Auch der Einlagenzins und der Satz für die Spitzenrefinanzierung liegen weiterhin unverändert bei 0,25 Prozent beziehungsweise 1,75 Prozent.
Das teilte die deutsche Notenbank in Frankfurt nach einer turnusmäßigen Sitzung des EZB-Rats mit. Der fundamentale Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen, liegt auf dem niedrigsten Niveau seit Gründung der europäischen Währungsunion im Jahr 1999.
Für Banken und Unternehmen ist das positiv: Je niedriger der Leitzins ist, desto günstiger können Kredite vergeben werden. Auf diese Weise sollen Unternehmen zu Investitionen angeregt werden. Allerdings standen die Banken in den vergangenen Monaten immer wieder in der Kritik, das niedrige Niveau der Zinsen nur zögerlich an Firmenkunden weiterzugeben. Die Institute bestritten dies stets.
Seit Herbst 2008 - dem Höhepunkt der Finanzkrise - hat die EZB das Zinsniveau um insgesamt 3,25 Punkte reduziert. Zuletzt hatte die EZB den Leitzins im Mai um 0,25 Punkte gesenkt. Die Zinssenkungen resultieren aus der stark rückläufigen Inflation und der Wirtschaftskrise.
Die Entscheidung war erwartet worden. Laut den Volkswirten der DekaBank gibt es diesmal keinen Grund für eine Zinssenkung. Die Geldmarktsätze hätten sich nach der EZB-Ankündigung der 12-Monatstender stark beruhigt. So habe der Eonia-Satz zeitweise sogar wieder über dem Refisatz gelegen. Zudem hätten sich die Spreads am Pfandbriefmarkt stark eingeengt.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird die Gründe für den Beschluss am Nachmittag vor der Presse erläutern. Bei dieser Gelegenheit wird die EZB auch Details ihrer im Mai angekündigten Pfandbriefkäufe bekanntgeben.
Die britische Notenbank hat ihren Leitzins ebenfalls wie erwartet bei 0,5 Prozent belassen. Das teilte die Bank von England am Donnerstag nach einer Sitzung ihres geldpolitischen Komitees in London mit. Das Volumen des Programms zum Ankauf von Wertpapieren bestätigte die Notenbank mit 125 Milliarden Pfund. Die britischen Währungshüter hatten das Programm im vergangenen Monat aufgestockt.