Geldnot Napster geht offenbar die Luft aus
San Francisco - Zehn Monate nach seiner Ernennung zum Chef der Musik-Tauschbörse Napster ist der ehemalige Bertelsmann-Manager Konrad Hilbers am Dienstag von seinem Posten zurückgetreten. In einer Mitteilung des Unternehmens hieß es außerdem, dass Berater Jonathan Schwarz das Unternehmen verlässt.
Laut Napster habe man sich mit Bertelsmann nicht auf eine Übernahme einigen können. Damit sei es nicht möglich, eine neue Version von Napster aufzulegen. "Wir bedauern es außerordentlich, dass es bis jetzt nicht möglich war, eine Finanzierungslösung zu finden, die es Napster erlauben würde, ein Angebot zu schaffen, das Künstlern und Konsumenten gleichermaßen nützt", hieß es in der Mitteilung.
Wie die Online-Ausgabe des "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, erwägt die Online-Tauschbörse für Musikdateien einen Antrag auf Gläubigerschutz. Außerdem soll Napster-Gründer Shawn Fanning bereits von seiner Funktion des Chief Technology Officers (CTO) zurückgetreten sein.
Außerdem berichtet das "WSJ", dass die Verhandlungen mit Bertelsmann am Widerstand von Napster-Aktionären scheiterten. Der Zeitung zufolge soll sich die Venture-Capital Firma Hummer Winblad Venture Partners, die zwei Sitze im Aufsichtsrat von Napster hat, einem Abfindungs-Angebot von Bertelsmann über 15 Millionen Dollar verweigert haben.
Wie Napster am Dienstag mitteilte, werde man sich in den kommenden Wochen um weitere Kosteneinsparungen bemühen. Erst im April war ein Drittel der Belegschaft entlassen worden. Im März war bereits der Relaunch des Musik-Services als kostenpflichtiger Abonnenten-Dienst von einem geplanten Frühsommertermin auf den kommenden Herbst verschoben worden.
Die einst populäre Tauschbörse war im vergangenen Jahr nach einer Klage von mehreren große Plattenlabels wegen Verletzung der Urheberrechte vom Netz gegangen. Seit Monaten bemüht sich Napster bei Plattenfirmen um Lizenzen für einen großen Musikkatalog.