Geldtransporter-Pleite Heros-Manager vor Gericht
Hildesheim - Zum Auftakt der Gerichtsverhandlung in Hildesheim kündigte Firmenchef Karl-Heinz Weis heute ein Geständnis an. Wegen Untreue in besonders schweren Fällen, Bankrott und Insolvenzverschleppung müssen sich Firmenchef Weis sowie drei leitende Angestellte vor der Sechsten Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts verantworten.
Angeklagt sind sie wegen insgesamt 282 Straftaten mit einer Gesamtschadenssumme von 250 Millionen Euro. Heros, das vor der Pleite größte deutsche Unternehmen der Geldtransportbranche, hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft über Jahre seine Expansion mit der Veruntreuung von Kundengeldern finanziert. Rund 1800 Firmen, vom Einzelhändler bis zur Großbank, sollen geschädigt worden sein. Etwa 50 Millionen Euro sollen die Angeklagten zur Finanzierung eines luxuriösen Lebensstils verwendet haben.
Laut Anklage wurden Verbindlichkeiten gegenüber Kunden in einem Schneeballsystem laufend mit neu hereinkommenden Geldern ausgeglichen. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt zudem immer noch wegen des Verdachts, dass Firmenchef Weis Millionenbeträge beiseite schaffte.
Das System begann zu bröckeln, als der Lebensmitteldiscounter Lidl und andere Großkunden Ende 2005 ihre Verträge kündigten, weil sie ihr Geld zunehmend verspätet erhielten. Zugleich waren Ermittler nach einem gezielten Hinweis den Managern bereits auf der Spur. Im Februar 2006 wurden Weis und seine Top-Manager verhaftet, Heros meldete Insolvenz an.
Die Wirtschaftsstrafkammer hat für den Prozess 30 Verhandlungstage angesetzt. Bei einer Verurteilung wegen gewerbsmäßiger Untreue drohen den Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft.
kaz/AFP/dpa/AP/ddp