Geldvermögen Deutsche werden im Schnitt immer reicher
Einkaufstüten: Die Deutschen haben fast 5 Billionen Euro Geldvermögen
Foto: MARC MUELLER/ picture alliance / dpaFrankfurt am Main - Trotz der Konjunkturflaute zu Jahresbeginn haben die Deutschen ihr Geldvermögen kräftig gesteigert. Zum Ende des ersten Quartals kletterte das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen im Vergleich zum Vorquartal um 52 Milliarden Euro oder 1,1 Prozent auf den Rekordwert von knapp 4992 Milliarden Euro, wie die Deutsche Bundesbank am Montag in Frankfurt am Main mitteilte. Immobilien oder Vermögensgegenstände wie Autos oder Kunst sind in der Statistik nicht enthalten.
Der Reichtum ist allerdings nicht gleich verteilt. Die oberen zehn Prozent der Haushalte vereinen mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich.
Etwas überraschend tilgten die Privathaushalte zudem trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus Kredite in Höhe von knapp vier Milliarden Euro. Insbesondere Konsumentenkredite seien abgelöst worden. Die Verschuldung sank nach den Angaben um 0,2 Prozent auf 1564 Milliarden Euro. Das Nettogeldvermögen stieg damit gegenüber dem Vorquartal um knapp 55 Milliarden Euro auf 3428 Milliarden Euro. Die Verschuldungsquote, also der Anteil der Verbindlichkeiten am Bruttoinlandsprodukt, sank um 0,2 Prozentpunkte auf 59 Prozent.
An der Börse spekulieren nur noch wenige Deutsche: Kursgewinne an den Kapitalmärkten machten nur noch etwa ein Zehntel des Zuwachses aus, nach fast einem Drittel im Börsen-Boomjahr 2012. Hingegen stiegen vor allem die Ansprüche gegenüber Versicherungen stark - um 22 Milliarden Euro.
Ebenfalls kräftig trugen Sichteinlagen einschließlich Bargeld mit 21 Milliarden Euro zur Geldvermögensbildung bei: Weil die Menschen in Deutschland noch immer durch die Euro-Staatsschuldenkrise verunsichert sind, ziehen sie Geld aus längerfristigen Termin- und Spareinlagen oder Sparbriefen ab - und parken es stattdessen auf Giro- oder Tagesgeldkonten. "Die bereits in den vergangenen Quartalen beobachtete Liquiditätspräferenz zeigte sich folglich weiterhin, im Vergleich zur Vorperiode jedoch in abgeschwächter Form", schrieben die Notenbanker. Denn im Schlussquartal 2012 waren sogar 36 Milliarden Euro in Sichteinlagen einschließlich Bargeld geflossen.
Auf den Kapitalmärkten scheinen die Sorgen überwunden zu sein. So wurden im Saldo Investmentzertifikate im Umfang von elf Milliarden Euro gekauft. Das ist der kräftigste Zufluss seit Anfang 2003. Zudem kauften die privaten Haushalte im ersten Quartal Aktien im Wert von gut drei Milliarden Euro - das war das erste dicke Plus seit Ende 2011. Die Bundesbank vermutet: "Diese Entwicklung dürfte im Zusammenhang mit den anhaltend negativen Realzinsen vieler Bankeinlagen stehen."
Das Geldvermögen der Deutschen steigt stetig an: Vor 20 Jahren hatte es noch einen Wert von gut 2000 Milliarden Euro, Anfang 2003 waren es schon knapp 3600 Milliarden Euro. Die Finanzkrise 2008/2009 hatte das Vermögen über einen längeren Zeitraum schrumpfen lassen. Diese Verluste wurden aber inzwischen aufgeholt.