General Motors: Experten halten wenig vom Sanierungsprogramm - DER SPIEGEL
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General Motors Experten halten wenig vom Sanierungsprogramm

30.000 Jobs will General Motors streichen, neun Werke dicht machen. Der Börse reicht das nicht. Analysten räumen dem angezählten Autobauer keine Chancen ein, seine Milliardenverluste so wieder in den Griff zu bekommen.
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New York - Die Sanierungspoläne reichen einfach nicht, sagen Börsenexperten. Dabei will General-Motors-Chef Rick Wagoner sieben Milliarden Dollar bis 2007 einsparen. Mehr Produktionsteile sollen aus dem billigeren Ausland bezogen werden, die Anlagen sollen flexibler gemacht werden, so dass nicht mehr nur ein Modell produziert werden kann. Außerdem würden weniger Autos pro Jahr produziert, kündigte Wagoner an.

Der Markt reagierte mehr als kühl. Der Aktienkurs fiel am Dienstagnachmittag in New York um 1,3 Prozent auf 23,27 Dollar. Gegenüber dem Wall-Street-Journal erklärten Analysten, die Schließung der Werke helfe dem Konzern kein bisschen. Das Unternehmen müsse schlicht mehr Autos verkaufen. "Wie oft hat GM in den letzten 20 Jahren bedeutende Restrukturierungen angekündigt, ohne dass die Aktienkurse angezogen sind?", sagt David Sowerby, Fonds-Manager für Loomis Sayles. "Hinzu kommt, dass immer noch kaum Gewinnmöglichkeiten in der Autoindustrie sichtbar sind, deshalb sind die Erwartungen nicht gerade hoch."

Der Sanierungsplan reiche den Anleger nicht, sagt auch Mark Oline, Managing Director der Ratingagentur Fitch, die GM bereits vor einiger Zeit auf Ramsch-Status gesetzt hatte. Die Chancen, dass der Konzern seine horrenden Verluste mit dem Programm in den Griff bekommt, seien gering. Die Einsparungen könnten an anderer Stelle wieder aufgefressen werden, warnt der Analyst.

Es sei gut möglich, dass GM die Pensionszahlungen für den insolventen Zulieferer Delphi übernehmen muss. GM hatte bei der Abspaltung der früheren Tochter 1999 vereinbart, diese Kosten zu übernehmen, falls Delphi vor 2007 zusammenbricht. "Unsere Vermutung ist, dass GM möglicherweise gezwungen ist, in der Auseinandersetzung zwischen Delphi und der Gewerkschaft United Auto Workers einzuspringen, um die Produktion zu sichern."

Außerdem bereiteten die horrenden Kosten für die Gesundheitsversorgung der Mitarbeiter den Anlegern Magenschmerzen. Zwar hat der Konzern angekündigt, diese Ausgaben um jährlich eine Milliarde Dollar auf unter drei Milliarden Dollar insgesamt zu drücken. Gleichzeitig will das Unternehmen aber 2006, 2007 und 2011 jeweils eine Milliarden Dollar in einen Treuhandfonds zahlen, der die Kosten für besonders teure medizinische Eingriffe und Behandlungen decken soll.

Pleitegerüchten tritt Konzern-Chef Rick Wagoner trotz der harschen Urteile über seinen Konzern energisch entgegen. "Ich möchte ein für alle Mal feststellen: Es gibt absolut keinen Plan, keine Strategie oder Absicht, Insolvenz anzumelden", hat er erst vor einigen Tagen in einem Brief an seine Mitarbeiter erklärt, erhebliche Problem aber eingestanden. In den ersten neun Monaten hatte der Opel-Mutterkonzern einen Verlust von nahezu vier Milliarden Dollar eingefahren. Sinkende Absatzzahlen, ein verlustreicher Preiskrieg mit der Konkurrenz, hohe Produktionskosten und ein horrender Schuldenberg sind die Hauptursachen für die Krise.