General Motors: Wall Streets Freud', Arbeiters Leid - DER SPIEGEL
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General Motors Wall Streets Freud', Arbeiters Leid

Mit drakonischen Sanierungsmaßnahmen will der weltgrößte US- Autohersteller GM den drohenden Untergang abwenden. Die Wall Street reagierte erfreut, die GM-Aktie sprang nach oben. An der Arbeiterbasis in Detroit waren die Gefühle gemischter.
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New York - "Das ist der Anfang vom Ende." Der Stoßseufzer, den ein Leser gestern an die Lokalzeitung "Detroit News" mailte, illustriert die Resignation in der US-Autostadt angesichts der tristen Nachrichten aus dem Hause General Motors  . Erst die jüngsten Milliardenverluste. Dann die Meldungen von Werkstillegungen, Stellenabbau und Sozialkürzungen. Was kommt als Nächstes? "Eine Dritte-Welt-Wirtschaft", schrieb ein anderer "News"-Leser.

Die Wall Street sieht es anders. Nachdem der weltgrößte US-Autobauer gestern eine vorläufige Einigung mit der Gewerkschaft UAW erzielt hat, die pro Jahr eine Milliarde Dollar an Gesundheitskosten für GM-Pensionäre sparen und den kaputten Konzern so retten soll, legte die Aktie kräftig zu. Zum Börsenschluss stieg GM um 7,5 Prozent auf über 30 Dollar und zog den gesamten Dow Jones nach oben.

So ist das. Oft muss die Main Street leiden, damit sich die Wall Street freuen kann. Die GM-Qualen sind für die Börsianer notwendige Übel auf dem Weg zur Sanierung einer maroden Industrie. "Der Ausgangspunkt für jede Erholung", sagt der Analyst Jonathan Steinmetz (Morgan Stanley) dazu, "ist ein noch tieferes Loch."

Die Umwälzung der US-Autobranche bahnt sich schließlich schon lange an. Zuletzt meldete die frühere GM-Tochter Delphi Insolvenz an, der zweitgrößten Autoteile-Zulieferers der Welt. Beide Konzerne wurden durch Probleme in die Knie gezwungen, die auch den anderen Herstellern das Leben schwer machen: schleppender Absatz, sinkende Weltmarktanteile, hohe Lohnkosten, explodierende Renten- und Gesundheitsausgaben in den USA, der Benzinpreis, der Rückstand bei Umweltautos.

Durchschnittsalter über 50 Jahre

Es war ein dramatischer Tag in der Detroiter GM-Zentrale. Fast in einem Atemzug gab CEO Rick Wagoner die astronomischen Verluste fürs dritte Quartal (1,6 Milliarden Dollar) bekannt, den Gewerkschaftskompromiss und schließlich den möglichen Verkauf der Mehrheit an seiner hauseigenen Finanzierungsgesellschaft General Motors Acceptance Corporation (GMAC).

Die Einigung zu den Gesundheitskosten - die die Mitglieder der resignierten UAW noch ratifizieren müssen - ist nach Wagoners Worten die umfangreichste Kostenreduzierung, die GM je verkündet hat. Sie betrifft Tausende Pensionäre und soll insgesamt 15 Milliarden Dollar einsparen - Kosten, die GM langsam zu ersticken drohten. Ähnliche Kompromisse könnte es womöglich auch bei Ford   und DaimlerChrysler   geben.

Downsizing dank Vergreisung: Ein durchschnittlicher GM-Arbeiter ist über 50 Jahre alt. Durch die anstehende Pensionierungswelle hofft GM eine halbe Million Stellen abbauen zu können. "2008 erwarten wir eine hundertprozentige Kapazitätsauslastung", sagte Wagoner.

"Kämpft gegen diese Kerle!"

Spannender findet die Wall Street aber den potentiellen GMAC-Deal. Die GM-Tochter, die 300 Milliarden Dollar an Darlehen verwaltet, ist die Cash Cow des Konzerns, mit 24 Milliarden Dollar Liquiditätsreserven. Ein "teilweiser GMAC-Verkauf", meint Himanshu Patel von J.P. Morgan, "könnte signifikant zum Shareholder-Value beitragen".

Die Arbeiter in Detroit freut das dagegen weniger. Den Zuschriften der "Detroit News" nach zu urteilen, gärt es an der Basis. "Was zum Teufel ist in diesem Land nur los?", fragte zum Beispiel Leser Ben Snow. "Mir ist immer beigebracht worden, dass es gut sei, den Leuten mit gutem Lohn für harte Arbeit auch Gesundheits- und Rentenleistungen zu geben. Glaubt ihr, dass Rick Wagoner und seine Kumpel ihre Leistungen zurückgeben? Kämpft bloß gegen diese geizigen Kerle!"

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