Generöse Mitgift - DER SPIEGEL
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AFFÄREN Generöse Mitgift

Der Mobilcom-Konzern und sein Gründer Gerhard Schmid liefern sich eine Dauerfehde um ein millionenschweres Aktienpaket in Liechtenstein. Am Freitag soll es zum lautstarken Finale kommen.
Von Frank Dohmen und Klaus-Peter Kerbusk
• aus DER SPIEGEL 16/2005
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die reetgedeckte Villa am Lürschauer See ist von Gittern umzäunt, die Spitzen glänzen golden. Auf dem Klingelschild steht schlicht »Mustermann«. Hier residiert Gerhard Schmid, 52, mit seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram, 60.

Noch vor wenigen Jahren war der Gründer der Firma Mobilcom mit einem Vermögen von rund drei Milliarden Euro einer der reichsten Männer der Republik. In dem mit weißen Fliesen ausgelegten Haus bei Schleswig, in dem man vom Esszimmer direkt in den Swimmingpool steigen kann, wurden damals rauschende Feste gefeiert.

Die alten Zeiten sind vorbei, Schmids Geld ist futsch. »Ich lebe vom Taschengeld meiner Frau«, grinst der Ex-Milliardär, der vor rund zwei Jahren wegen Überschuldung in dreistelliger Millionenhöhe private Insolvenz musste.

Als »Frührentner« hat Schmid nun viel Zeit für seine täglichen Kämpfe gegen die Unbill des Lebens - etwa die Maulwürfe, die den Rasen um die Villa zerfurchen oder die Enten, die »alles voll scheißen«.

Die größeren Kämpfe bereitet der ehemalige Eishockey-Profi am Küchentisch neben der riesigen Teddybär-Sammlung seiner Frau vor. Da jongliert der Betriebswirt mit Zahlen und Details aus alten Verträgen und schimpft über die Finten und Intrigen seiner Gegner - »Wirtschaftskriminelle auf höchstem Niveau«, nennt er sie. »Die wollen uns platt machen«, klagt der Mann, der sich umzingelt sieht von Feinden. Vielen Feinden.

Etwa sein ehemaliger Partner France Télécom, der einst mit 3,7 Milliarden Euro bei Mobilcom einstieg und sich dann nicht an die Zusagen zum Ausbau des teuren UMTS-Netzes hielt. Oder die neuen Herren bei Mobilcom, die ein Heer von Anwälten gegen ihn in Stellung brachten. Oder die Banken, die seine verpfändeten Aktienpakete »zum Spottpreis verkauft haben«. Und nicht zuletzt die Staatsanwaltschaft in Kiel, die bereits zwei Anklagen wegen Untreue und Betrugs gegen Schmid erhoben und jetzt schon wieder Ermittlungen gegen ihn aufgenommen hat.

Am Freitag dieser Woche will Schmid es bei der Mobilcom-Hauptversammlung allen zeigen - dann will er die »kriminellen Machenschaften« bloßstellen, mit denen er »seit Monaten verfolgt« wird.

Ein überzeugender Auftritt im Berliner Tempodrom wird nötig sein. Denn der Ex-Milliardär muss neuaufgetauchte Verdachtsmomente entkräften, bei denen es möglicherweise sogar um schwere Straftaten wie Betrug und Vereiteln der Zwangsvollstreckung geht.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht der Transfer von gut 2,8 Millionen Mobilcom-Aktien mit einem heutigen Wert von rund 50 Millionen Euro auf Trusts und Depots in der Steueroase Liechtenstein. Dieses Aktienpaket, so der Verdacht, habe Schmid dem Insolvenzverwalter und der Mobilcom AG verschwiegen, beide damit über seine wahren Vermögensverhältnisse getäuscht.

Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren hat die Kieler Staatsanwaltschaft vor einigen Monaten eingeleitet. Bei Banken in Deutschland und Liechtenstein wurden Konto- und Depotauszüge sichergestellt. Im Kern streitet nicht einmal Schmid die Vorgänge ab, die sich den Ermittlern nach Sichtung der ersten Daten boten.

So ging am 2. Oktober 2002 auf einem von ihm unter der Nummer 3 33 686 900 eröffneten Depot bei der Verwaltungs- und Privatbank in Vaduz eine erste Tranche von 1 629 039 Aktien ein. Knapp drei Wochen später folgten weitere 1 086 267 Aktien - alle kamen von privaten Schmid-Depots in Deutschland.

Der Vorgang wäre nicht weiter brisant, wäre Mobilcom nicht damals wegen ausbleibender finanzieller Unterstützung des Partners France Télécom bedrohlich ins Schlingern geraten. Um die Arbeitsplätze und die einstige Vorzeigefirma des Neuen Markts vor der Pleite zu retten, schaltete sich sogar die Bundesregierung ein. Unter Leitung des früheren Staatssekretärs Alfred Tacke wurde Ende September 2002 ein Team gebildet, das sich schließlich auf ein Sanierungskonzept einigte.

Einer der Hauptpunkte der Vereinbarung: Schmid musste seine gesamten Aktien dem neueingesetzten Treuhänder Helmut Thoma übereignen und versichern, »weder direkt noch indirekt weitere Aktien der Mobilcom AG zu halten«. Schmid unterschrieb das Papier am 14. November

2002, ohne die kurz zuvor nach Vaduz transferierten Pakete zu erwähnen. Wäre das Paket von Schmid angegeben worden, erinnert sich der damals von der Bundesregierung als Treuhänder vorgesehene Anwalt Reinhard von Dalwigk, hätte es in den Verhandlungen sicher eine Rolle gespielt.

Monatelang blieb Schmids Depot in Vaduz danach unangetastet. Erst am 2. Mai 2003, just an dem Tag, an dem das Amtsgericht in Flensburg das Insolvenzverfahren über Schmids Privatvermögen eröffnete, trat das Aktienpaket eine merkwürdige Reise über diverse Briefkastenfirmen in Liechtenstein an.

Zunächst wanderte das gesamte Paket auf ein Depot des Leoncavallo Trusts in Vaduz. Nur gut einen Monat später gingen die Aktien auf den Isabo Trust über, ehe der Großteil im März 2004 bei einem Trust mit dem Namen Sybille ankam.

Dass bei all diesen Trusts Schmids Frau Sybille als Begünstigte eingetragen ist, bestreitet Schmid nicht. Doch für die Vermutung, es gehe bei den Transfers um Betrug oder Geldwäsche, hat er nur ein grimmiges Kopfschütteln übrig. Das alles sei ein Komplott, um ihn »neu zu kriminalisieren« und die »finanzielle Handlungsfähigkeit meiner Frau zu blockieren«.

Die neuen Ermittlungen gehen auf eine Strafanzeige des Mobilcom-Anwalts Volker Hoffmann zurück, in der, so Schmid, »massenhaft falsche Verdächtigungen und abstruse Tatsachenbehauptungen aufgestellt« würden. Gegen Hoffmann habe er deshalb bereits Strafanzeige erstattet.

Tatsächlich hatte sich bei dem Mainzer Juristen nach dessen Darstellung ein Informant gemeldet und pikante Details über das bislang unbekannte Liechtensteiner Depot der Schmids erzählt. Im Auftrag von Mobilcom, so Hoffmann, habe er die Informationen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Die müsse nun entscheiden, ob die Vorwürfe richtig seien oder nicht.

Sämtliche Vorwürfe, kontert Schmid, liefen schon deshalb ins Leere, weil die Aktien nicht ihm, sondern seit Jahren seiner Frau gehörten. Als Beweis präsentiert er diverse private Vereinbarungen, die laut eidesstattlicher Versicherung seines Notars

zeitnah auch in der Kanzlei hinterlegt worden seien. So etwa einen mit »Liebe Sybille« beginnenden Brief vom 1. Juli 2000, in dem Schmid seiner zukünftigen Ehefrau drei Millionen Aktien verspricht.

Als Gegenleistung für die generöse Mitgift verzichtete sie zwölf Tage später in einem notariellen Ehevertrag auf den gesetzlichen Zugewinn. Da er die Aktien in den Folgejahren nur treuhänderisch für seine Frau verwaltete, habe er sie auch nirgends angeben müssen.

Selbst wenn sich diese Version als richtig erweist, könnten neue Probleme auf das Ehepaar zukommen. Denn nach Ansicht von Mobilcom-Anwälten müsse die Aktienübertragung wohl als Schenkung eingestuft werden - Schmids Anwälte halten das dagegen für abwegig.

Bei dem Streit geht es nicht um Peanuts: Bei der Übertragung waren die Aktien etwa 320 Millionen Euro wert. Selbst ohne Zinsen, haben Kieler Justizbeamte ausgerechnet, wäre da ein dreistelliger Millionenbetrag Schenkungsteuer fällig.

Das Geld hat die Mobilcom-Aktionärin vermutlich anders verplant.Denn hauptberuflich ist sie seit Jahren im Immobiliengeschäft tätig und hat große Pläne, bei denen ihr der Kieler FDP-Politiker Wolfgang Kubicki hilfreich zur Seite steht.

Kubicki hatte vor zwei Jahren unter dem Namen Waterkant zwei Immobilienfirmen gegründet und mit jeweils 50 000 Euro Stammkapital ausgestattet. Als Geschäftsführerin für beide Firmen setzte der FDP-Mann Sybille Schmid-Sindram ein, die inzwischen auch mit drei Millionen Euro selbst an Waterkant beteiligt ist.

Zum ersten Mal erregte die Waterkant-Gruppe im vergangenen November Aufsehen: Da kaufte die Schmid-Gattin vier zentral gelegene Objekte in Schleswig für 3,02 Millionen Euro aus der Konkursmasse ihres Mannes. Ende März schlug die Waterkant-Chefin erneut zu und ersteigerte für 13 Millionen Euro ein 16-stöckiges Geschäfts- und Bürohaus in der Kieler Innenstadt. Den Bau hatte ihr Ehemann in besseren Zeiten mit einem 100-Millionen-Euro-Kredit der Sachsen LB begonnen, dann aber halbfertig stehen lassen müssen.

Seither rätseln die Schleswig-Holsteiner, woher das viele Geld für die prestigeträchtigen Immobilienkäufe der Mini-Firma Waterkant stammt. Immerhin dieses Rätsel dürfte durch die neuen Ermittlungen gelöst sein: Zumindest ein Teil des Geldes kam direkt aus Liechtenstein.

Allein zwischen Oktober 2003 und August 2004 soll Sybille Schmid-Sindram von Depots in Vaduz gut 4 Millionen Euro sowie Mobilcom-Aktien im Wert von fast 4,4 Millionen Euro auf Waterkant-Konten überwiesen haben. Die Rückholung des Immobilienbesitzes ihres Gatten, sagt die Waterkant-Chefin, »war für mich auch eine Frage der Ehre«. FRANK DOHMEN,

KLAUS-PETER KERBUSK

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