Geplatzte Endesa-Übernahme E.on will anderswo zukaufen
Madrid - "Weitere Konsolidierungsschritte der Energiebranche in Europa werden wir als aktiver Spieler mitgestalten", sagte Bernotat in Madrid. Das Unternehmen hatte nach heftigem Widerstand der Großaktionäre Enel und Acciona die milliardenschwere Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa aufgegeben.
Im Gegenzug für den Verzicht auf eine Minderheitsbeteiligung erhält E.on Energieaktivitäten in Spanien, Italien, Frankreich, Polen und der Türkei für zehn Milliarden Euro. Die mit einer Übernahme von Endesa verbundene Hoffnung auf einen Markteinstieg in Lateinamerika erfüllt sich dagegen nicht. Auch nach dem Kauf der Beteiligungen verfüge die Gesellschaft über eine "hohe Finanzkraft, die uns Handlungsspielräume sichert", sagte Bernotat. E.on hatte für eine vollständige Übernahme 42,3 Milliarden Euro geboten.
Bernotat verwies darauf, dass die getroffene Vereinbarung mit den beiden Konkurrenten die "beste Lösung" sei. E.on erreiche mit der Übernahme von Beteiligungen das Ziel, in weiteren europäischen Märkten starke Positionen zu erwerben. Nach der Vereinbarung mit Enel und Acciona werde E.on alle gerichtlichen und behördlichen Auseinandersetzungen ad acta legen. "Unser Spielfeld ist der Markt", sagte der Vorstandsvorsitzende.
Eon will Platz vier auf spanischem Markt bis 2010
Nach Einschätzung von Bernotat hat E.on durch die Endesa-Vereinbarung die starke Position des Konzerns im europäischen Energiemarkt "nachhaltig verbessert". E.on werde künftig vor allem in Südeuropa stärker vertreten sein, sagte er. "Damit haben wir unser strategisches Ziel erreicht, wenngleich auch nicht in dem ursprünglich angestrebten Umfang." Die Aktivitäten, die E.on als Ausgleich erhalte, seien aber eine "hervorragende Plattform für weiteres Wachstum".
Nach Angaben von Bernotat erhält E.on im Endeffekt knapp 30 Prozent der weltweiten Erzeugungskapazitäten von Endesa einschließlich des Versorgers Oviesgo. In Spanien werde E.on bis 2010 mit einer Kraftwerkskapazität von 6400 Megawatt zur Nummer vier im Markt aufsteigen mit einer ausgewogenen Erzeugungsstruktur aus Wasserkraft, Kernkraft, Importkohle und Erdgas. Ziel von E.on sei, unter die ersten drei Unternehmen im spanischen Energiemarkt zu kommen.
Bernotat: "Nennenswertes Synergiepotenzial" in Italien
In Italien würden die Endesa-Beteiligungen die derzeitigen E.on-Aktivitäten ergänzen, sagte Bernotat weiter. Er sehe dabei ein "nennenswertes Synergiepotential". Zudem erhalte E.on einen Zugang zu einem im Bau befindlichen Flüssiggas-Terminal. Die Kapazitäten, die E.on in Frankreich erhalte, böten zugleich eine "hochinteressante Ausbauposition", weil der französische Markt voll mit dem deutschen verbunden sei, betonte Bernotat. Mit Endesa France übernehme E.on zudem kleinere Beteiligungen in Polen und der Türkei.
Die Bundesregierung hat positiv auf die Beilegung des Streits um Endesa reagiert. "Die Bundesregierung begrüßt, dass es eine solche Verständigung gibt", sagte Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Damit hätten sich Wachstumsperspektiven für alle beteiligten Unternehmen ergeben. Die Bundesregierung hoffe, dass die getroffenen Vereinbarungen nun rasch umgesetzt würden.
Ungeachtet des angekündigten Rückzugs von E.on hält die EU-Kommission an ihrer Klage gegen Spanien fest. "Unsere Entscheidung bleibt bestehen", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in Brüssel. Die Kommission hatte Spanien in der vergangenen Woche vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen illegaler Übernahmehürden für Eon verklagt.
"Wenn Regierungen nicht das EU-Gemeinschaftsrecht befolgen, besteht das Risiko, dass der gemeinsame Binnenmarkt ins Chaos geschickt wird", sagte der Sprecher. Die Kommission achte darauf, dass EU-Recht respektiert werde. Sie sei hingegen neutral im Hinblick darauf, welches Unternehmen Endesa letztlich übernehmen werde.
itz/mm.de/dpa-AFX/Dow Jones