Geplatzte Microsoft-Offerte: Yahoo-Aktien stürzen dramatisch ab - DER SPIEGEL
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Geplatzte Microsoft-Offerte Yahoo-Aktien stürzen dramatisch ab

Katastrophaler Start in den Börsentag für Yahoo-Aktionäre: Nach der geplatzten Kaufofferte von Microsoft stürzte der Kurs zum Handelsstart um fast 20 Prozent ab. Experten prophezeien noch weit Schlimmeres, sollte Yahoo nicht bald einen Plan B präsentieren.
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Hamburg - Kaum war die Börse in Frankfurt offen, ging es abwärts: In nur einer Stunde verloren die Aktien von Yahoo   am Montagmorgen 18,6 Prozent an Wert und kosteten nur noch 14,75 Euro. Am Nachmittag ging es dann in den USA genauso weiter: In New York sackte das Yahoo-Papier um 19,4 Prozent auf 23,10 Dollar ab.

Yahoo-CEO Yang: Viele Aktionäre sind sauer - sie hätten gern selbst über das Angebot von Microsoft entschieden

Yahoo-CEO Yang: Viele Aktionäre sind sauer - sie hätten gern selbst über das Angebot von Microsoft entschieden

Foto: REUTERS

Der Grund für den dramatischen Kursverfall: Microsoft   hatte sein Übernahmeangebot am Wochenende zurückgezogen. Die Aktionäre des Software-Riesen nahmen diese Nachricht gut auf - schließlich drohte die geplante Yahoo-Übernahme teuer zu werden. Die Microsoft-Aktie zog deshalb am Montag in New York 2,6 Prozent an. Im Plus notierte auch die Aktie des Konkurrenten Google  : Sie legte 2,3 Prozent zu. Eine Allianz aus Microsoft und Yahoo hätte Google in Bedrängnis bringen können.

So mancher Yahoo-Aktionär ist dagegen empört über die Entscheidung des eigenen Boards: "Die Anteilseigner hatten nicht einmal die Chance, über den Deal abzustimmen", sagte Eric Jackson, der eine Gruppe von Investoren mit insgesamt zwei Millionen Papieren vertritt. Er werde die Aktionäre drängen, dieses Jahr die aktuelle Führungsspitze nicht wiederzuwählen.

Das Yahoo-Board kommentierte diese Äußerungen nicht. Wenn nichts passiere, droht Konzernchef Jerry Yang eine Flut von Klagen seitens der Aktionäre, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Yang fand das Microsoft-Angebot schlicht zu niedrig, obwohl der Software-Konzern noch einmal von 31 Dollar je Aktie auf 33 Dollar erhöht hatte. Yang wollte mindestens 37 Dollar pro Papier - daraufhin zog Microsoft sein Angebot zurück.

Yahoo muss nun schnell eine Alternative präsentieren, wenn das Unternehmen den Kursabsturz aufhalten will. In den vergangenen Tagen hatten sich Gerüchte verdichtet, dass das Internetunternehmen eine Werbepartnerschaft mit Google eingehen wird. Mit der Sache vertraute Personen halten eine solche Kooperation inzwischen für wahrscheinlich, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Schon diese Woche soll der Deal demnach offiziell gemacht werden. "Hoffen wir, dass sie nicht geblufft haben", sagt Jeffrey Lindsay von Sanford C. Bernstein.

Die Gespräche von Yahoo und Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp.   haben Reuters zufolge dagegen in den vergangenen Wochen an Schwung verloren. Das schwindende Interesse von News Corp. würde die Optionen für Yahoo bei der Partnersuche auf AOL begrenzen, die Internet-Sparte des Medienkonzerns Time Warner - oder eben auf die Partnerschaft mit Google.

Auch Microsoft stehen schwierige Zeiten bevor. Noch führt der Konzern die Software-Branche zwar an: Allein im vergangenen Jahr standen unterm Strich 14 Milliarden Dollar Gewinn. Doch im Internet hatte Microsoft bislang wenig Glück. Der Marktanteil der Suchmaschine Live Search ist minimal, ein soziales Netzwerk oder kostenlose Online-Applikationen gibt es nicht. Und von attraktiven Online-Angeboten wie Facebook, Flickr oder YouTube kann Microsoft-Chef Steve Ballmer bislang nur träumen.

Der lachende Dritte in der Geschichte ist Google   - selbst wenn die Werbepartnerschaft mit Yahoo nicht zustande kommt. Ein Zusammenschluss von Yahoo und Microsoft wäre der Suchmaschine ziemlich gefährlich geworden. Jetzt kann Google seine Vorherrschaft von 75 Prozent Marktanteil auf dem Internetwerbemarkt aber in aller Ruhe ausbauen.

Die großen Drei: Microsoft, Google und Yahoo im Vergleich

Google Microsoftund Yahoo Microsoft Yahoo
Umsatz in Mrd. US-Dollar* 16,59 58,1 51,12 6,97
Gewinn in Mrd. US-Dollar* 4,20 14,73 14,07 0,66
Mitarbeiter 16.800 93.300 79.000 14.300
Suchanfragen weltweit in Mrd. 37,1 10,7 2,2 8,6
Anteil der Suchanfragen weltweit 60,8% 17,5% 3,5% 14,0%
Suchanfragen mobil USA in Mio. 6,3 5,4 1,2 4,2
Anteil Suchanfragen mobil USA 38,3% 32,7% 7,3% 25,4%
E-Mail-Accounts in Mio. 51 518 256 262
* Zahlen für Geschäftsjahr 2007
Stand: Februar 2008, Quelle: Unternehmensinformationen

ase/Reuters