Gerhard Schröder künftig an der Spitze des Rosneft-Aufsichtsrats - DER SPIEGEL
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Russischer Energiekonzern Gerhard Schröder an die Spitze des Rosneft-Aufsichtsrats gewählt

Die erwartete Spitzenpersonalie beim halbstaatlichen russischen Energiekonzerns Rosneft ist durch: Altkanzler Gerhard Schröder ist zum Chef des Aufsichtsrats gewählt worden.
Gerhard Schröder
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Foto: TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock
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Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist zum Chef des Aufsichtsrats des russischen Energiekonzerns Rosneft gewählt worden. Zuvor hatten ihn die Anteilseigner auf der Aktionärsversammlung in Sankt Petersburg in das Gremium gewählt. "Es ist mir eine Freude, in dem Gremium mitzuarbeiten", sagte Schröder in einer kurzen Ansprache nach seiner Wahl.

Zuvor hatte Konzernchef Igor Setschin bei der Versammlung für die Wahl geworben. Der frühere Bundeskanzler verfüge über "erhebliche Erfahrung" und "einzigartige Kompetenz", sagte Setschin. Schröder könne dazu beitragen, das Geschäft von Rosneft in Europa auszubauen und seine Wahl in das Kontrollgremium neue Impulse für das deutsch-russische Verhältnis geben. Er sei ein Politiker, der "regelmäßig die strategische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland verteidigt" habe.

Die neue Tätigkeit Schröders für Rosneft wird vor allem in Deutschland heftig kritisiert. Denn der Ölkonzern wird vom russischen Staat kontrolliert, er hält die Aktienmehrheit. Und Rosneft steht auf der Sanktionsliste der EU wegen der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Es war die Regierung in Moskau, die den 73-jährigen Schröder nominierte, seine Wahl galt daher als Formalie. Konzernchef Setschin ist Vertrauter von Präsident Wladimir Putin und diente vor seiner Zeit bei Rosneft auf mehreren Posten in der russischen Regierungsverwaltung.

Konzernchef Setschin ist Putins Vertrauter

Rosneft dient auch außenpolitischen Interessen des Kreml. So stützt der Konzern das vor dem Bankrott stehende Venezuela und dessen linksgerichtete autoritäre Regierung unter Präsident Maduro.

Konzernchef Setschin gilt vielen als zweitmächtigster Mann Russlands, seit Jahren baut er die Stellung von Rosneft rücksichtslos aus. Inzwischen gehören große Teile von Ölkonzernen zu Rosneft, die früher im Besitz von Oligarchen waren - etwa Yukos, dessen ehemaliger Eigentümer und Putin-Kritiker Michail Chodorkowski enteignet wurde und zehn Jahre lang im Straflager saß. Oder die Mehrheit von Baschneft, das früher von einem Oligarchen kontrolliert wurde, den Setschin erfolgreich mit milliardenschweren Entschädigungsklagen überzog.

Dabei ist Schröder bereits seit dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt im Jahr 2005 für einen russischen Staatskonzern aktiv. Damals wurde er Vorsitzender des Aktionärsausschusses eines Konsortiums, an dem der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält. Im vergangenen Jahr wurde Schröder zudem Chef des Verwaltungsrats der Gazprom-Tochter Nord Stream 2.

Geld aus der deutschen Staatskasse

Doch nicht nur aus politischen Gründen wird Schröders Aktivität als Aufsichtsratschef von Rosneft kritisiert: Der frühere SPD-Politiker soll allein für diesen Posten ein sechsstelliges Gehalt beziehen, dazu erhält Schröder noch ein Ruhegehalt für seine Zeit als Kanzler und Bezüge für seine Zeit in der niedersächsischen Landesregierung und als Bundestagsabgeordneter.

Darüber hinaus finanziert der Bund Schröder ein Büro in Berlin, bei dem sich allein die Personalkosten auf 561.000 Euro im Jahr belaufen. Der Linken-Politiker Alexander Neu sprach unter anderem in Bezug auf Schröder von einer "Mentalität des Absahnens".

heb/asa/fdi/dpa