Gerichtsentscheid Oracle darf PeopleSoft fressen
Los Angeles - Das Gericht kippte damit ein Verdikt des Justizministeriums. Dieses habe nicht nachweisen können, dass die Übernahme wettbewerbsverzerrend sei, sagte der zuständige Bezirksrichter Vaughn Walker am Donnerstag (Ortszeit).
Das US-Justizministerium hatte einen Kartellrechtsprozess eingeleitet, um die 7,7 Milliarden Dollar schwere feindliche Übernahme zu verhindern. Das Ministerium wollte belegen, dass durch die Übernahme nur noch Oracle und die deutsche SAP als wesentliche Anbieter für Unternehmenssoftware übrig bleiben würden. Dies würde nach Ansicht der Kläger zur Behinderung von Wettbewerb und Innovationen, zu geringerer Produktauswahl für die Nutzer und zu steigenden Softwarepreisen führen. PeopleSoft teilt diese Auffassung.
Das Justizministerium hat jetzt zehn Tage Zeit, um gegen das Urteil Einspruch einzulegen. Rückendeckung hat die Behörde von zehn US-Bundesstaaten, die sich gegen die feindliche Übernahme ausgesprochen haben. Zu Beginn des Kartellrechtsprozesses hatte Microsoft überraschend mitgeteilt, eine Übernahme von SAP erwogen zu haben. Dieser Plan wurde aber verworfen. Peoplesoft sagte in einer Stellungnahme, das Unternehmen werde mit einem weiteren Gerichtsverfahren versuchen, die feindliche Übernahme abzuwenden.
Oracle ist nach Angaben mit einem Anteil von 40 Prozent weltweit führend im Markt für Datenbanken. Bei Unternehmenssoftware liegt der Konzern hinter SAP und PeopleSoft nur auf Rang drei und will mit der Übernahme Boden gut machen. Oracle hatte seine Offerte an die PeopleSoft-Aktionäre wiederholt verlängert.
Larry Ellison, Oracles exzentrischer Chef, hat keinen Hehl daraus gemacht, was für Pläne er mit PeopleSoft hat: Nach der Übernahme soll das Unternehmen filetiert werden, eigentlich interessiert sich Oracle lediglich für die Kundenliste des Konkurrenten. PeopleSoft-Boss Craig Conway, der Ellison während seiner mehrjährigen Tätigkeit bei Oracle kennen und hassen gelernt hat, will dies auf jeden Fall verhindern. Es ist zu erwarten, dass sich die Widersacher in den kommenden Monaten weiter mit markigen Sprüchen beharken werden. Vor allem Ellision, im Valley als harter Hund bekannt, hat einen Ruf zu verlieren.
PeopleSoft hat bereits die nächste Runde eingeläutet und den Rivalen Oracle auf Schadenersatz in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar verklagt. Oracle habe mit unfairen Praktiken versucht, PeopleSoft bei Kunden schlecht zu machen.