Geschäft mit der Angst Manhattans erster Terrorschutz-Laden
New York - Wie in jedem guten Geschäft gibt es Sonderangebote zur Eröffnung: Eine Fluchthaube (Gasmaske mit Plastik-Kopfhaube verschweißt), ein ABC-Schutzanzug mit Handschuhen und Stiefeln, Kaliumiodid-Tabletten für den atomaren Ernstfall, eine Taschenlampe und Klebeband (um Handschuhe, Stiefel und Schutzanzug luftdicht zu verkleben). Das Ein-Mann-Basispaket ist im neuen Laden für nur 269 Dollar zu haben. Das Hochhaus-Paket, bei dem noch ein Notfall-Fallschirm dabei ist, kostet 945 Dollar.
Das Geschäft heißt Safer America und liegt in bester Lage nur ein paar Blocks vom Ground Zero entfernt. Natürlich geht es den Chefs des ersten reinen Terrorschutz-Ladens in Manhattan erst in zweite Linie ums Geschäft: Gründer und CEO Frederic Samana - so steht es in der Story des jungen Unternehmens auf der Firmenwebsite - fiel nach dem 11. September plötzlich auf, dass es zwei Alternativen gibt: Dasitzen und sich hilflos fühlen oder etwas Produktives tun. Dann wurde ihm bewusst, dass es den Menschen am meisten hilft, wenn sie sich mit nützlichen Dingen gegen die Terrorangst versorgen können. Das war - so die Story - die Geburtsstunde von Safer America.
Und Samana hat seine Hausaufgaben gemacht. Neben Tabletten, Gasmasken und Schutzanzügen gibt es Erste-Hilfe-Kästen und Strahlen-Messgeräte in allen Varianten, Bombendetektoren für die Betriebspost und einen Spezialfilter für die Auto-Klima-Anlage um auch dort vor biochemischen Angriffen geschützt zu sein. Fünf Mitarbeiter sind eingestellt und beraten seit Donnerstag furchtsame New Yorker, welche Gasmaske am besten für die jeweiligen Sicherheitsbedürfnisse geeignet ist.
"Kunden-Service ist einer unserer wichtigsten Erfolgsfaktoren", sagt Safer-America-Präsident Harvey Kushner, der als Terror-Experte seit einem Jahr einen Stammplatz in US-Talkshows hat. Im Hauptberuf ist er Professor der Long Island University. "Bei Safer America kaufen Sie sich nicht irgendwas aus einem dubiosen Internet-Angebot. Sie kaufen bei einem seriösen Geschäft und wir stehen zu dem, was wir verkaufen". Er findet, dass jeder Amerikaner mindestens eine Fluchthaube unter dem Bett haben sollte. Für sein eigenes Haus auf Long Island habe er schon sechs solcher Schutzmasken angeschafft, sagt er.
Natürlich haben Samana und Kushner noch viel vor mit Safer America. In Manhattan wollen sie in Kürze noch zwei weitere Läden eröffnen und ihr Angebot um weitere Terrorschutz-Utensilien erweitern. Außerdem haben sie gleich Safer America Corporate Services gegründet. Die Beratungssparte soll Firmen dabei helfen, ihre Mitarbeiter gegen mögliche Terror-Angriffe zu wappnen.
Der neue Laden an der Nassau Steet begeistert nicht jeden. "Ich finde es traurig, dass sie Angst und Hysterie in diesem Land für ihre Geschäfte nutzen", sagt ein Passant dem Fernsehsender CNN, nachdem er sich die Auslagen angeschaut hat.
Den neuen Terror-Outfit-Unternehmer Samana ficht so etwas nicht an. Seiner Meinung hat sein Geschäft nichts mit Paranoia zu tun: "Paranoia ist, wenn Du Dir eine Bedrohung vorstellst. Die Bedrohung ist aber real".
Carsten Matthäus