Gesichter des Streiks "Es darf ruhig wehtun"
Hamburg - Hatice Turan ist zu müde, um sich zu ärgern. Sie ist Reinigungskraft, hat um 5 Uhr morgens angefangen zu arbeiten - und will nur noch ins Bett. Doch sie steckt fest am Hamburger Hauptbahnhof, die Lokführer der S-Bahnen streiken. Wie viele Fahrgäste in Berlin und Hamburg ist Turan von den Streiks bei den S-Bahnen überrascht worden. Schließlich hieß es bis gestern Abend noch, der Arbeitskampf sei bis auf weiteres abgeblasen worden.
Das Arbeitsgericht Nürnberg hat gestern Morgen den Ausstand im Güter- und Fernverkehr untersagt. Die Begründung: Der Streik könne unverhältnismäßige volkswirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Das Arbeitsgericht Chemnitz verbot zudem Streiks bei der DB Regio, also im Nahverkehr.
Mit diesem Urteilsspruch will sich die GDL nicht abfinden: "Ein Streik hat immer volkswirtschaftliche Folgen", sagt Volker Krombholz, stellvertretender Bezirksvorstand der GDL für den Bezirk Nord. Deshalb legte die Gewerkschaft gestern Widerspruch gegen das Urteil ein, und beschloss auch, die S-Bahnen in Hamburg und Berlin heute Morgen für zwei Stunden lahmzulegen - denn für diese gelten die gestern erlassenen Verbote nicht. "Wir fühlen uns von der Bahn regelrecht verarscht, anders kann man das nicht sagen", sagt Krombholz. Statt von einem Gericht zum nächsten zu ziehen, sollten die Bahner endlich ein Angebot vorlegen.
Die Lokführer, die Genervten, die Verständigen - SPIEGEL ONLINE zeigt die Gesichter des Streiks: