Gestärkter Chef Deutsche Bank verlängert Ackermanns Vertrag
Frankfurt am Main - Bis 2010 soll Ackermann nun Chef des größten deutschen Geldinstituts bleiben, wie die Deutsche Bank heute mitteilte. Gleichzeitig wurde Ackermann zum Vorstandsvorsitzenden ernannt - bisher fungierte er offiziell als Sprecher des Gremiums. Die Deutsche Bank begründete diesen Schritt mit der Anpassung an internationale Gepflogenheiten.
Damit ist die Laufzeit des neuen Kontrakts etwas kürzer als sonst üblich - normalerweise bekommen Vorstände in Deutschland Verträge über fünf Jahre. Allerdings hatten manche Branchenexperten sogar noch mit einer weit kürzeren Laufzeit von zwei bis drei Jahren gerechnet. Ackermanns derzeitiger Vertrag gilt noch bis Ende 2006.
Auf Vorschlag des Vorstands beschloss der Deutsche-Bank-Aufsichtsrat zudem, der Hauptversammlung am 1. Juni eine Dividende von 2,50 Euro je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr vorzuschlagen. Gegenüber dem Vorjahr, für das 1,70 Euro pro Anteilsschein ausgeschüttet wurden, bedeutet dies nach Angaben der Bank eine Erhöhung um 47 Prozent.
Viel wichtiger als diese Nachricht sei jedoch die Nachricht von Ackermanns Vertragsverlängerung, sagte Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz der Nachrichtenagentur Reuters. "Er ist der richtige Mann für die Bank. Die Zahlen sprechen für ihn." Ackermann habe die Akzeptanz der Investmentbanker und der Verantwortlichen im Privatkundengeschäft. Damit sei er eine wichtige Klammer im Konzern.
Unsicherheit durch Mannesmann-Verfahren
Trotzdem waren im Dezember erhebliche Zweifel aufgekommen, ob die Bank den Schweizer behalten würde, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) eine Neuauflage des Mannesmann-Verfahrens entschieden hatte. Bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone im Jahr 2000 waren nachträglich insgesamt rund 57 Millionen Euro an Prämien und Abfindungen geflossen. Ackermann als ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrats und fünf weitere Manager müssen sich nun erneut wegen des Vorwurfs der Untreue oder der Beihilfe dazu vor Gericht verantworten. Der BGH hatte allerdings betont, dass sich der Banker selbst nicht bereichert hat.
Im Falle eines Schuldspruchs wäre Ackermann als Deutsche-Bank-Chef wohl kaum noch zu halten. Bereits nach dem BGH-Urteil hatten Politiker von CDU, SPD und Grünen den Rücktritt des Top-Managers gefordert. Mögliche Unsicherheiten, die durch das laufende Verfahren entstünden, seien durch entsprechende Vertragsklauseln jedoch in den Griff zu kriegen, hatte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters bereits vor einigen Wochen erklärt. Eine Option sei, vorab zu vereinbaren, wie viel Geld Ackerman erhalte, falls er im Zuge einer Verurteilung die Bank verlassen müsse.
ase/reuters