Gesundheitskosten: Ständevertreter kassieren Top-Honorare - DER SPIEGEL
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Gesundheitskosten Ständevertreter kassieren Top-Honorare

Die hohen Gehälter für Vorstände von Krankenkassen sorgen seit Tagen für Aufruhr. Doch gegen die Chefgehälter der Kassenärztlichen Vereinigungen nehmen sie sich geradezu bescheiden aus. In Bayern zum Beispiel verdient der oberste Funktionär 230.000 Euro pro Jahr. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht die komplette Liste.
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Hamburg - Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ging mit den Kassenärztlichen Vereinigungen hart ins Gericht. "Die dort gezahlten Gehälter sprengen jedes Maß", sagte er gegenüber SPIEGEL ONLINE. Denn letztendlich seien die Organisationen im Wesentlichen dazu da, die Arzthonorare abzurechnen. Außerdem gingen die Vorsitzenden der Ständeorganisationen anders als bei Unternehmen in der freien Wirtschaft kein persönliches Risiko ein. "Trotzdem werden die Funktionäre genauso bezahlt wie Manager in der freien Wirtschaft."

Besonders üppig fallen die Gehälter in der Bundesvereinigung und in Niedersachsen aus. Dort verdienen die Vorstände 260.000 beziehungsweise 250.000 Euro pro Jahr. Dem KV-Vorstand in Niedersachsen steht darüber hinaus noch ein Dienstwagen zur Verfügung. Das Schlusslicht bildet Berlin, wo aber immer noch 162.000 Euro pro Jahr bezahlt werden.

Der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl, erklärt das hohe Gehaltsniveau mit der Verantwortung, die auf den Schultern der Verbandsvertreter laste. Schließlich obliege ihnen die Aufgabe, insgesamt rund 57 Milliarden Euro zu überwachen, 25 Milliarden Euro für die Honorierung der Ärzte und 32 Milliarden für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. "Im Übrigen beschränkt sich der Aufgabenbereich nicht allein auf die Abrechnung von Leistungen", sagte Stahl. Vielmehr böten erst die KVen die Gewähr für eine flächendeckende Versorgung, Verträge müssten ausgehandelt, die Leistungen der Ärzte überwacht werden. Alles in allem sei eine 60-Stunden-Woche für die Vorstände eher die Regel als die Ausnahme.


Dem eigenen Anspruch werden die Ständevertreter nach Einschätzung von Lauterbach jedoch in keiner Weise gerecht. "Schon am Beispiel der flächendeckenden Versorgung wird dies deutlich. In den Städten verfügen wir über eine Überversorgung, in einigen ländlichen Gegenden in den neuen Bundesländern herrscht dagegen ein eklatanter Mangel an Praxen." Auch die Verteilung der Honorare sei alles andere als gerecht: "Sie begünstigt diejenigen, die die Patienten in Massen abfertigen." Im Durchschnitt verbringe ein Patient während des Arztbesuchs gerade einmal sechs Minuten im Sprechzimmer. Ärzte, die auf Qualität achteten, hätten dagegen das Nachsehen, weil sie nicht genügend so genannte Punktwerte ansammelten.



Der Hinweis auf die 60-Stunden-Woche bringt Lauterbach sogar ein wenig in Rage. Denn gleichzeitig ist es den Vorständen in der Mehrzahl möglich, neben ihrer Funktionärstätigkeit auch ihre Praxis weiterzuführen. Konservativ gerechnet, müsse man das Einkommen daraus mit rund 50.000 Euro beziffern, sagt der Experte. Auch die Lobbytätigkeit für die Pharmaindustrie und Vorträge ließen sich die Funktionäre gesondert bezahlen.

Das Kernproblem sieht Lauterbach trotzdem nicht in der Bezahlung der Funktionäre, sondern im System selbst: "Die Kassenärztlichen Vereinigungen stehen für die Unwirtschaftlichkeit der gesamten Gesundheitsversorgung." Lauterbach sprach sich dafür aus, das Gesundheitssystem unbürokratischer und leistungsorientierter zu gestalten, "dann wären die Kassenärztlichen Vereinigungen überflüssig".