Gesundheitssystem Industrie-Verband will aussteigen
Berlin - Der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) stellte am Dienstag in Berlin sein Konzept vor. Rogowskis Vorstellungen sind wesentlich radikaler als die von Regierung und Opposition: Der BDI fordert eine weiter greifende Gesundheitsreform und eine Senkung des Kassenbeitrags auf zehn Prozent bis 2010.
Die Einsparungen in einer Größenordnung von 45 Milliarden Euro bis 2010 sollen allerdings so gestaltet werden, dass sie Rogowskis Klientel nicht belasten. Der deutschen Pharmaindustrie dürfen aus Reformen nach Vorstellung des BDI keine Nachteile erwachsen. Eine Preisregulierung für patentierte Arzneien oder gar eine Kosten-Nutzen-Analyse für neue Medikamente und die so genannte Positivliste preiswerter Arzneien lehnt der promovierte Betriebswirt Rogowski ab.
Der BDI-Chef lobte grundsätzlich die Absicht von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, den durchschnittlichen Krankenkassenbeitrag von heute 14,3 auf 13 Prozent zu senken und damit Bürger und Unternehmen zu entlasten. Doch dürfe bei 13 Prozent nicht Schluss sein. Bis 2010 sollten zehn Prozent erreicht werden.
Sparpotenzial des Systems ausschöpfen
Rogowski verwies darauf, dass die fünf Wirtschaftsweisen die "sofort mobilisierbaren Reserven" im Gesundheitssystem auf 20 Milliarden Euro schätzten. Mittelfristig seien es deutlich mehr. Einsparungen soll es nach seinen Vorstellungen vor allem dadurch geben, dass Krankenhausaufenthalte verkürzt sowie Arztbesuche, Medikamentenkonsum und Spezialuntersuchungen wie Röntgen verringert werden. Bei all diesen Eckdaten liege Deutschland über den Werten anderer EU-Länder, ohne dass die Bürger gesünder seien.
Realisiert werden könne dies durch mehr Wettbewerb der Krankenkassen sowie der Ärzte, Krankenhäuser und der Industrie. Statt der gesetzlichen Krankenkasse solle es künftig Versicherungspflicht bei freier Wahl des Anbieters geben. "Alle Versicherungen müssen um die Versicherten konkurrieren", so Rogowski. Künftig könnten nicht die Löhne, sondern das gesamte Einkommen Bezugsbasis für die Beiträge sein.
Durch die Auszahlung des bisherigen Arbeitgeberanteils als Lohnbestandteil werde der "Versicherungsbeitrag für den einzelnen Versicherten in voller Höhe sichtbar. Das ist gut für mehr Transparenz und die kraftvolle Ausübung der Konsumentensouveränität im Gesundheitssystem".