Getrennte Wege Infineon spaltet sich selbst auf
München - Wie Infineon heute erklärte, will das Unternehmen die Speicherchipsparte schon zum 1. Mai ausgliedern. Ursprünglich hatte der Chiphersteller die Abspaltung erst für Juli ins Auge gefasst. Die ausgegliederte Sparte soll Qimonda AG heißen und ihren Hauptsitz in München haben.
Der Infineon-Aufsichtsrat hatte die Abspaltung des Bereichs in eine rechtlich selbstständige Einheit bereits im November 2005 beschlossen. Qimonda wird weltweit rund 12.000 Mitarbeiter beschäftigen, davon 4700 in Deutschland. Den Vorstandsvorsitz soll Kin Wah Loh übernehmen, der den Speicherbereich seit Sommer 2005 leitet und seit Ende 2004 Mitglied des Infineon-Vorstands ist. Als Aufsichtsratschef ist Infineon-Finanzvorstand Peter Fischl vorgesehen.
Im Geschäftsjahr 2004/05 hat die Speichersparte, die rund 40 Prozent des Infineon-Umsatzes ausmacht, ein Vorsteuerergebnis von 122 Millionen Euro bei einem Umsatz von 2,8 Milliarden Euro erzielt. Wo Infineon den Geschäftsbereich Speicherchips an die Börse bringen will, wurde zunächst nicht gesagt. In Finanzkreisen hatte es zuletzt geheißen, statt des eigentlich geplanten Börsengangs in Asien sei nun ein Listing an der US-Technologiebörse Nasdaq die wahrscheinlichste Variante.
Infineon-Chef Wolfgang Ziebart rechtfertigte die Trennung. Er sei "überzeugt davon, dass fokussierte Unternehmen, wie wir sie jetzt aufstellen, am Markt erfolgreicher sein werden". Mit der Aufspaltung sei die strategische Neuausrichtung von Infineon vorläufig beendet, sagte Ziebart. "Wir haben aktuell keine weiteren Ausgliederungen vor."
Der Mutterkonzern will sich nun auf das Logikgeschäft konzentrieren, zu dem unter anderem die Geschäftsbereiche Automobil-, Industrieelektronik und Kommunikation gehören. Ziebart nannte als neues Ziel von Infineon, ein weltweit führendes Unternehmen für Halbleiterlösungen auf den Gebieten Energieeinsparungen, Mobilität, Vernetzung der Gesellschaft und Sicherheitsanwendungen zu werden.
An der Börse wurden die Details zur Aufspaltung positiv aufgenommen, die Infineon-Aktie konnte bis zum frühen Nachmittag entgegen dem Aktienindex Dax um gut 0,8 Prozent auf 8,52 Euro zulegen.
suc/ddp/AFP