Gewinnwarnung DaimlerChrysler schockiert Märkte
Stuttgart - Der Ausblick für das Betriebsergebnis in diesem Jahr werde von sechs auf fünf Milliarden Euro verringert, teilte der Automobilhersteller überraschend mit. Hintergrund der Gewinnwarnung seien Probleme bei Chrysler. Im dritten Quartal werde Chrysler voraussichtlich einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro ausweisen, teilte der Konzern mit. Bisher wurde ein Verlust von 500 Millionen Euro erwartet.
Der Aktienkurs brach nach Bekanntwerden der schlechten Nachrichten zwischenzeitlich um sechs Prozent auf 39,00 Euro ein. "Dass Chrysler im dritten Quartal einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro erwartet, hatte niemand auf der Rechnung", sagte Aktienstratege Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. "Offensichtlich sind die Probleme bei Chrysler größer als vermutet."
DaimlerChrysler begründete die heutige Entscheidung mit dem für Chrysler schwierigen US-Marktumfeld. Die Händlerbestände seien zu hoch, ebenso die Gesundheitskosten für aktive und ehemalige Mitarbeiter. Außerdem stiegen die Kraftstoffpreise unaufhörlich, und die Nachfrage verschiebe sich immer mehr hin zu kleineren Fahrzeugen. Gleichzeitig hätten wesentliche Wettbewerber durch massive Preiszugeständnisse - vor allem bei den Light Trucks - den Margen- und Mengendruck weiter erhöht.
Darüber hinaus haben DaimlerChrysler zufolge die gestiegenen Zinsen zu Belastungen im Vertriebssystem geführt. Die Chrysler Group werde im dritten und vierten Quartal zusätzliche Produktionskürzungen umsetzen, um die Händlerbestände zu reduzieren und den Weg für die laufende Produktoffensive frei zu machen.
Im dritten Quartal sei es Chrysler nicht gelungen, dem Nachfrageverhalten der Kunden mit dem bestehenden Produktportfolio zu folgen - weil sich das Kundeninteresse auf kleinere Fahrzeuge konzentriert habe. Im zweiten Halbjahr soll die Chrysler Group nun jedoch acht neue Fahrzeuge einführen, von denen viele zum wachsenden Kleinwagen-Segment zählen, teilte der Konzern mit. Im vierten Quartal solle das Chrysler-Ergebnis wieder positiv sein.
Noch nicht alle Risiken eingerechnet
Um die Ergebnisse der Chrysler Group "möglichst schnell, umfassend und nachhaltig" zu verbessern, untersuche der Autobauer Maßnahmen zur Absatzsteigerung und zur kurzfristigen Kostensenkung in allen Teilen der Wertschöpfungskette. Außerdem würden "strukturelle Veränderungen" überprüft. "Die Ergebnis-Entwicklungen in der Mercedes Car Group, der Truck Group, von Financial Services und im Segment Van, Bus, Other liegen voll im Rahmen der Erwartungen", teilte der Autobauer mit.
In die neue, niedrigere Prognose hat DaimlerChrysler aber längst nicht alle Risikofaktoren eingerechnet. Mögliche Ergebnisbelastungen aus der Beteiligung an EADS seien noch nicht eingeplant, war heute zu erfahren. Der europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern habe in seinem Halbjahresbericht jedoch darauf hingewiesen, dass die Überprüfung des Airbus-Programms zu Ergebnisbelastungen führen könne. DaimlerChrysler hat über eine Verkaufsoption 7,5 Prozent an EADS im Frühjahr abgegeben. Ohne diese Option beläuft sich der Anteil an der Airbus-Mutter noch auf 22,5 Prozent.
ase/dpa-AfX/ddp/Dow Jones