Gewinnwarnung Infineon schockt die Märkte
München - "Derzeit ist vollkommen unklar, wie sich der Markt verhalten wird", sagte Schumacher in einer Telefonkonferenz. "Wir wissen nicht, wie die Ergebnisse im vierten Quartal sein werden." Verluste für das Gesamtjahr seien nicht auszuschließen. Der Infineon-Aktienkurs brach zwischenzeitlich um mehr als 14 Prozent auf 30,20 Euro ein.
Kurz vor dem Börsenstart hatte der Halbleiterhersteller eine Gewinnwarnung ausgegeben. Für das laufende Quartal erwarte das Unternehmen wegen der anhaltenden Marktschwäche einen Verlust vor Steuern und Zinsen von bis zu 600 Millionen Euro. Der Umsatz dürfte zum 30. Juni 2001 im Vergleich zum Vorquartal um bis zu 30 Prozent sinken.
Schumacher hatte bereits im Mai einen Verlust prognostiziert, allerdings ohne die erwartete Höhe zu nennen. Seit der Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Quartal am 24. April habe sich die Situation in der Halbleiterindustrie weiter verschlechtert, teilte Infineon jetzt mit. Der Preisverfall in der Branche und einmalige Abschreibungen auf Lagerbestände würden dabei einen negativen Einfluss auf das Geschäftsergebnis von Infineon haben.
Die schwierigen Marktbedingungen hätten seit April die meisten Geschäftsberereiche von Infineon betroffen. Am Mobilfunkmarkt zeichne sich keine Wiederbelebung der Nachfrage ab. Die Preise für Speicherchips (DRAMs) seien weiter stark gefallen. Die Nachfrage nach PCs sei schwächer als erwartet. Auch in den Bereichen Sicherheits- und Chipkarten-ICs sowie drahtgebundene Kommunikation würden Auftrräge storniert.
Bisher hatte Infineon immer betont, außer den Sparten Speicherchips und Mobilfunk liefen die anderen Geschäftsbereiche gut. Jetzt kündigte das Unternehmen für das kommende Jahr eine Kürzung der geplanten Investitionen um mehr als eine Milliarde Euro an. Für das laufende Jahr hatte das Unternehmen eine Senkung der geplanten Investionen um 500 Millionen Euro auf 2,3 Milliarden Euro veröffentlicht. Neben den bereits gestarteten Kostensenkungsprogrammen werde Infineon zunächst keine neuen Stellen schaffen und durch Fluktuation frei werdende Positionen nicht weiter besetzen.