Gewinnwarnung Milliardenverlust bei Chrysler
Stuttgart - Chrysler werde im zweiten Quartal 2003 voraussichtlich einen operativen Verlust von etwa einer Milliarde Euro ausweisen, teilte der Konzern nach einer Vorstandssitzung in Stuttgart mit. Die anderen Geschäftsfelder von DaimlerChrysler lägen im Rahmen der ursprünglichen Planung. Für den gesamten Konzern werde ein so genannter Operating Profit aus dem laufenden Geschäft von etwa fünf Milliarden Euro erwartet.
Damit werde das für 2003 angestrebte Ergebnisziel von zwei Milliarden Dollar bei Chrysler verfehlt, hieß es. Im Gesamtjahr werde nur noch ein leicht positives operatives Ergebnis vor Restrukturierungsaufwand erwartet. Gründe für den Gewinneinbruch bei Chrysler seien weiter steigende Preisnachlässe auf dem nordamerikanischen Automarkt sowie eine Neubewertung von Händlerbeständen und Restwerten. Die Chrysler Group habe bereits reagiert und zusätzliche substanzielle Kostensenkungen zum Teil schon umgesetzt.
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat ihre bisherige Einstufung (BBB+)aufgrund der Gewinnwarnung mit einem negativen Ausblick versehen. Zuvor war der Ausblick als "stabil" bezeichnet worden. Am 31. März beliefen sich die Verbindlichkeiten des Unternehmens S&P zufolge auf 86 Milliarden Euro. Sollte es dem Management von DaimlerChrysler in den kommenden Quartalen nicht gelingen, die Wettbewerbsposition von Chrysler durch eine erneute Restrukturierung zu verbessern, drohe dem Konzern eine Herabstufung, hieß es in einer Mitteilgung der Agentur.
Die Sanierung von Chrysler war bereits von der DaimlerChrysler-Spitze als Erfolg gefeiert worden. Der US-Hersteller war im Jahr 2002 in die Gewinnzone zurückgekehrt und fuhr einen operativen Gewinn ohne Einmaleffekte von 1,32 Milliarden Euro ein. Zuvor waren 26.000 Jobs gestrichen und sechs der Fabriken geschlossen worden. Bereits bei der Vorstellung der Ergebnisse des ersten Quartals 2003 im April hatte es geheißen, es werde bei Chrysler "sehr schwierig" werden, das Ziel von zwei Milliarden Dollar zu erreichen.
Die Mercedes Car Group werde dagegen an die "sehr guten Vorjahresresultate bei Absatz, Umsatz und Ergebnis anknüpfen", teilte der Vorstand am Dienstag weiter mit. Bei Nutzfahrzeugen sei weiterhin mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau zu rechnen. Der Operating Profit des gesamten Konzern war für bereinigt mit 5,8 (2001: 1,3) Milliarden Euro angegeben worden. Einschließlich Einmaleffekten - beispielsweise Einnahmen aus Verkäufen oder Aufwendungen für Sanierungsmaßnahmen - betrug der operative Gewinn von DaimlerChrysler im vergangenen Jahr 6,9 Milliarden Euro.