Gewinnwarnung Telekom will sparen und Preise senken
Hamburg - Der Gewinneinbruch der Deutschen Telekom fiel deutlich stärker aus als erwartet. Zwar legte der Umsatz zu, doch blieb der heute Nacht veröffentlichte Wert unter den Schätzungen der Analysten. Die Telekom reagierte mit einer Senkung der Umsatz- und Gewinnziele für dieses und das kommende Jahr auf die Entwicklung.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging im zweiten Quartal ohne Sondereffekte um sieben Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurück. Analysten hatten dagegen nur mit einem Minus von rund zwei Prozent gerechnet. Unter dem Strich blieb ein um 14 Prozent niedrigerer Nettogewinn von gut einer Milliarde Euro. Der Umsatz legte dank des Auslandsgeschäfts um knapp drei Prozent auf 15,1 Milliarden Euro zu; im Inland waren die Erlöse um vier Prozent rückläufig.
Besonders deutlich korrigierte die Deutsche Telekom die Gewinnschätzung für die Festnetzsparte, den traditionellen Zweig. Im Geschäft mit den Telefonanschlüssen steht dem Ex-Monopolisten vielerorts aggressive Konkurrenz gegenüber, die die Kunden mit Kampfpreisen umwerben. Den Preisdruck bekommen nach Angaben der Telekom aber alle drei Geschäftsfelder - Festnetz, Mobilfunk und Geschäftskunden - zu spüren.
Der Dax-Konzern erwartet nun für 2006 einen geringeren Umsatz von 61,5 bis 62,1 Milliarden Euro. Bislang hatte die Spanne 62,1 bis 62,7 Milliarden Euro betragen. Für das kommende Jahr gibt die Telekom keine konkreten Ziele mehr vor. Der Umsatz solle weiter moderat steigen, hieß es bereits gestern Abend. Bisher hatte die Telekom für 2007 einen Umsatzanstieg auf 65,2 bis 66,2 Milliarden Euro vorgesehen.
"Preisreduzierungen, Bündelprodukte, Innovationen"
Wegen eines Rückgangs der Umsätze im Inland wurde die Erwartung für das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in diesem Jahr auf 19,2 bis 19,7 Milliarden Euro gesenkt. Die bisherige Prognose lag bei 20,2 bis 20,7 Milliarden Euro. Für das nächste Jahr wird statt der ursprünglich vorgesehenen Steigerung auf bis zu 22,2 Milliarden Euro jetzt nur noch ein bereinigtes Ergebnis in der Größenordnung der laufenden Periode erwartet.
Die Telekom will nun mit verstärkten Einsparungen und Preissenkungen auf den härteren Wettbewerbsdruck reagieren. Das Bonner Unternehmen kündigte Maßnahmen zur Kostensenkung sowie Kürzungen bei Investitionen an. Sie sollen um eine Milliarde auf neun Milliarden Euro sinken. Darüber hinaus werde man in der zweiten Jahreshälfte wesentlich stärker mit "Preisreduzierungen, Bündelprodukten und Innovationen" in den Wettbewerb auf dem deutschen Markt einsteigen.
So will die Mobilfunksparte T-Mobile im Herbst einfachere und niedrigere Tarife einführen. Geplant sind Bündelangebote, bei denen die Telefonminute weniger als 0,10 Euro kosten soll. T-Mobile erzielte im umkämpften deutschen Mobilfunkmarkt im zweiten Quartal das geringste Kundenwachstum der vier Netzbetreiber. T-Mobile behauptete zwar mit insgesamt gut 30 Millionen Nutzern die Marktführerschaft, meldete heute aber lediglich 170.000 Neuzugänge zwischen April und Juni. Die Konkurrenten hatten in diesem Zeitraum deutlich mehr Teilnehmer gewonnen: An der Spitze lag E-Plus mit 410.000 Neukunden, gefolgt von Vodafone mit 250.000 und O2 mit 236.000 zusätzlichen Mobilfunkteilnehmern.
Auch im Festnetzbereich will die Telekom Kombitarife auflegen. Die Einstiegsangebote für Telefon und Breitbandinternet sollen dann bei unter 40 Euro im Monat liegen.
kaz/Dow Jones/ddp