GfK-Indikator Konsumklima bleibt stabil
Nürnberg - Die Stimmung der Verbraucher ist trotz der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren erstaunlich robust: Sie sei auch im April stabil geblieben, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag in Nürnberg mit. Die Kauflaune sei weiterhin überdurchschnittlich gut. Für April revidierten die Forscher den Wert von 2,4 auf 2,5 Zähler.
Einkaufswagen: Robuste Verbraucherstimmung
Foto: DPADie Erwartungen an die Konjunktur stiegen sogar leicht an, ebenso die Einschätzung der eigenen Einkommensaussichten. Die GfK prognostiziert für Mai einen Wert von 2,5 Punkten. Das ist ein stabiler Wert im Vergleich zum revidierten Vormonatswert, und er fällt sogar leicht besser aus als erwartet. Volkswirte hatten mit 2,3 Punkten gerechnet.
Gründe für den leichten Anstieg sind laut GfK eine niedrige Inflation, steigende Renten und erste vereinzelte Anzeichen, die auf eine konjunkturelle Trendwende zum Jahresende hoffen ließen. Hinzukomme der vergleichsweise hohe Anteil sogenannter krisenresistenter Haushalte mit 46 Prozent der Bevölkerung. Diese gut situierten Arbeitnehmer oder Rentner könnten sowohl auf höhere Renten und Pensionen als auch auf Erspartes zurückgreifen. Sie seien damit nicht direkt von den Hiobsbotschaften betroffen.
Trotz der düsteren Wirtschaftsprognosen ist in Deutschland offenbar keine Konsumstarre zu befürchten. "Diese Gefahr zeichnet sich im Moment nicht ab", sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. Er erwarte für 2009 weiterhin ein Konsumwachstum von bis zu 0,5 Prozent. Der Konsum federe somit die durch wegbrechende Exporte verschärfte Talfahrt der deutschen Wirtschaft etwas ab.
Beim Konsum ergebe sich ein differenziertes Bild. So könnten weniger Reisen ins Ausland zum Beispiel gleichzeitig auch bedeuten, dass mehr eingekauft werde, um es sich zu Hause schön zu machen. "Ich glaube nicht, dass alles schlechter wird", sagte Wübbenhorst.
Insgesamt bleibe das Niveau der Konsumstimmung allerdings nach wie vor niedrig. Deshalb werde die Binnennachfrage in diesem Jahr die schweren Einbrüche bei Export und Investitionen allenfalls etwas abfedern, jedoch bei weitem nicht kompensieren können.
Die größte Gefahr für die weitere Entwicklung des Konsumklimas drohe vom Arbeitsmarkt. "Ein wegfallender Arbeitsplatz macht den Menschen Angst", bekräftigte Wübbenhorst. Mit der zum Jahresende erwarteten steigenden Arbeitslosigkeit werde es für den Konsum schwierig werden. Sollten die verfügbaren arbeitsmarktpolitschen Instrumente, wie Kurzarbeit, von den Unternehmen ausgereizt sein, werde es zu weiteren Entlassungen kommen, die den Arbeitsmarkt und damit auch das Konsumklima schwer belasten würden.
"Der Lackmustest kommt erst Ende 2009 oder Anfang 2010", sagte Wübbenhorst. Dann könnten die Unternehmer schon wieder beginnen optimistischer zu sein und die Exporte anziehen, während die Arbeitslosigkeit noch ansteige. Vor diesem Hintergrund werde das Jahr 2010 für den Konsum "sicher schwierig".
Das zweite Konjunkturpaket sollte nach Ansicht von Wübbenhorst rascher umgesetzt werden. "Das Geld muss schnellstmöglich in den Wirtschaftskreislauf kommen und für Investitionen in Bildung oder Infrastruktur verwendet werden", sagte er in Nürnberg. Es dürfe nicht sein, "dass monatelang die Mühlen der Bürokratie mahlen".