GfK-Umfrage: Deutsche verlieren Vertrauen in Manager - DER SPIEGEL
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GfK-Umfrage Deutsche verlieren Vertrauen in Manager

Sozialer Friede galt einmal als ein wichtiger Standortvorteil Deutschlands. Das dafür notwendige Vertrauen in die Manager der Wirtschaft ist inzwischen verloren gegangen. In einer internationalen Umfrage gehen besonders die Deutschen mit der Führungsriege hart ins Gericht.
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Nürnberg - Schon im vergangenen Jahr hatten die Manager im alljährlichen internationalen Vertrauensindex der Gesellschaft für Konsumforschung nicht allzu gut abgeschnitten. Diesmal fiel der Wert noch einmal deutlich schlechter aus. Lediglich zwölf Prozent der Deutschen bringen den Bossen wenigstens "ein wenig" Vertrauen entgegen, nur ein Prozent hegt keinerlei Argwohn.

Die Diskussion um die Offenlegung von Managergehältern und Maßnahmen wie die der Deutschen Bank, trotz guter Auftragslage Mitarbeiter zu entlassen, sowie die Korruptionsaffäre bei VW - all dies habe zu der besonders kritischen Haltung der Deutschen gegenüber Politikern und Topmanagern beigetragen, erklärten die GfK-Forscher.

Damit jedoch ist ein Phänomen noch nicht ausreichend erklärt: Im internationalen Vergleich nämlich gehen die Deutschen über die Maßen hart mit ihrem Führungspersonal ins Gericht. Das Ansehen der Bosse hat zwar auch in den USA gelitten - immerhin ging der Anteil der positiven Beurteilungen um neun Prozentpunkte zurück - doch bekundeten immerhin noch 34 Prozent Vertrauen. In Dänemark, der Türkei, Finnland, Schweden und Spanien stellt sogar die Mehrheit ihren Wirtschaftsführern ein gutes Zeugnis aus.

Eine Erklärung dafür liefert der Sozialforscher Edgar Piel vom Institut für Demoskopie Allensbach: "Korruption galt bislang als Delikt, das eher im Bereich Politik und Verwaltung angesiedelt wurde. Durch die Skandale der vergangenen Monate jedoch wird inzwischen in erster Linie die Wirtschaft damit in Verbindung gebracht." Natürlich spielten auch die Gehaltssteigerungen eine Rolle, die sich die Unternehmenslenker genehmigt hätten. Entscheidend sei jedoch gewesen, dass den Arbeitnehmern zur gleichen Zeit gebetsmühlenartig erklärt worden sei, sie verdienten zu viel.

Ärzte mit dem besten Image

Dass die Stimmung gegenüber der Führungskaste besonders in Deutschland umgeschlagen sei, sei nach fünf Jahren Stagnation kein Wunder, sagt Piel weiter. Wesentlich gravierender aber sei der Wechsel in der Art und Weise des Miteinander-Umgehens: "Die Zusammenarbeit zwischen Managern und Arbeitnehmern war immer von Kompromissbereitschaft und Harmonie geprägt - der soziale Friede in Deutschland galt sogar lange Zeit als handfester Standortvorteil", sagt Piel. Diese Harmonie sei in der letzten Zeit jedoch verloren gegangen. "Die Menschen sind dadurch tief verunsichert worden - und sie suchen jemanden, den sie dafür verantwortlich machen können".

Wie lange es dauert, bis das Vertrauen wieder hergestellt ist, dazu wagen weder Piel noch die GfK-Forscher eine Prognose. Immerhin - die Zahlen zeigen auch, dass die Bereitschaft zu vertrauen auch in Deutschland noch nicht verloren gegangen ist. Dem GfK-Vertrauensindex zufolge genießen Ärzte und Lehrer bei den Bürgern in allen 18 Ländern Europas und den USA, in denen die Befragung durchführt wurde, mit einem durchschnittlichen Vertrauensindex von 3,2 das größte Ansehen. Insgesamt sprechen 84 Prozent der Befragten den Medizinern und 82 Prozent den Lehrern ihr Vertrauen aus. Es folgen die Armee (Index: 3,0) und die Polizei (Index: 2,9), die in den meisten Ländern von der Mehrheit der Bürger als vertrauenswürdig angesehen werden.

Vertreter der Kirche schneiden mit einem Index von 2,8 im Allgemeinen gut ab. Hier sind es die Griechen, die mit einem Index von 1,9 außerordentlich kritisch sind. Auch die Mehrzahl der Franzosen, Spanier, Tschechen und Ungarn traut ihren geistlichen Autoritäten nicht sonderlich über den Weg.