Giovanni Agnelli ist tot Italien trauert um den Avvocato
Rom - Schlohweißes Haar über dem braun gebrannten, faltenzerfurchten Gesicht. Schmale harte Lippen. Eine kräftige Nase. Grau-blaue Augen, die ihr Gegenüber fixieren wie eine Beute.
Die US-Illustrierte "Life" sah in diesen Zügen "die Physiognomie von Julius Cäsar". "Paris Match" erkannte das klassische "Bild des Heerführers" und das US-Magazin "Time" schwärmte von einem "florentinischen Prinzen". Tatsächlich war Giovanni Agnelli über Jahrzehnte hinweg eine der wichtigsten Persönlichkeiten Italiens, deren Einfluss weit über ihren Konzern hinaus reichte. Nun ist Agnelli, 81 Jahre alt, in seinem Haus in Turin gestorben. Seit langer Zeit schon litt er an Prostatakrebs und hatte sich erst kürzlich einer Behandlung in New York unterzogen.
Die Aufmerksamkeit der Lifestyle-Magazine kommt nicht von ungefähr. Zahlreiche Affären mit berühmten Schauspielerinnnen und sein Ruf als Liebling des internationalen Jet-Set trugen entscheidend zur Bildung seines Mythos bei. Erst nach einem schweren Autounfall und seiner Heirat 1952 machte er sich ernsthaft daran, sich um die Firma zu kümmern.
Die Firma, das ist der größte und mächtigste Konzern in Italien. Der Agnelli-Sippe gehört ein kaum überschaubares Imperium von etwa 500 Firmen und Firmenbeteiligungen, von Kaufhäusern, Versicherungen und Elektrizitätswerken bis zum Produzenten von Banknotenpapier und dem erfolgreichsten Fußballclub Italiens - Juventus Turin.
Vor allem aber herrscht die Familie als Eigner des größten Aktienpakets über die "Fabbrica Italiana di Automobili Torino", kurz: Fiat - das industrielle Herz Italiens.
30 Jahre lang hatte Agnelli hatte den Fiat-Konzern als Präsident geleitet. 1996 zog er sich auf den Posten eines Ehrenpräsidenten zurück und zog fortan seine Fäden im Hintergrund. Seine Stellung als graue Eminenz der Agnelli-Familie verlieh ihm den dafür notwendigen Einfluss. Bis zuletzt spielte er eine wichtige Rolle bei der Suche nach einer Lösung der Fiat-Krise.
Das größte italienische Unternehmen ist hoch verschuldet, der Umbau der Konzernspitze ist noch nicht abgeschlossen. Einem ersten Sanierungsplan zufolge werden über 8000 Stellen gestrichen, der Schuldenabbau vorangetrieben sowie eine neue Modellpalette ins Auge gefasst. Allerdings geht der Streit über einen endgültigen Weg aus der schweren Krise weiter.
Agnellis Leiche wird den Angaben zufolge in der Turiner Fiat-Zentrale aufgebahrt. Die Beerdigung soll im engsten Familienkreis stattfinden. Kurz nach der Nachricht von Agnellis Tod unterbrach das italienische Fernsehen das Programm und brachte Sondersendungen.