Global Crossing Hilfe vom Wunderheiler
Los Angeles - Er gilt als der Wunderheiler unter den Sanierern. Alec Gores nimmt sich vornehmlich solcher Unternehmen an, die andere Manager schon längst aufgegeben haben. Jetzt will er zu neuen Ufern aufbrechen. Gores hat nach Informationen der "Los Angeles Times" ein Angebot für die Übernahme der Telefongesellschaft Global Crossing abgegeben - das Projekt wird die wohl schwierigste und komplizierte Aufgabe seiner Karriere. Denn Global Crossing zeichnet immerhin für die viertgrößte Pleite in der US-Geschichte verantwortlich.
Einige Fachleute bezweifeln sogar, dass eine Sanierung von Global Crossing überhaupt Sinn macht. Zurzeit analysieren Investoren und Gläubiger in Zusammenarbeit mit einem New Yorker Konkursrichter, wie viel Substanz noch vorhanden ist.
Sollten sie sich für einen Versuch aussprechen, sind Gores Chancen nicht schlecht, den Zuschlag zu bekommen. Bislang kam das einzige Angebot von einem Konsortium aus Asien, das 750 Millionen Dollar für 79 Prozent der Global-Crossing-Anteile bezahlen wollte, sobald die Telefongesellschaft wieder hergestellt sei. "Unannehmbare Bedingungen", hieß es einhellig aus Kreisen der Gläubiger und Anteilseigner.
Mit der Übernahme schlägt Gores tatsächlich ein neues Kapitel in der Geschichte seiner Firma Gores Technology Group auf, denn bisher hatte er in erster Linie kleinere notleidende Tochtergesellschaften großer Konzerne übernommen, die in den Augen der Verantwortlichen keinen Pfifferling mehr wert waren. In vielen Fällen musste Gores nicht einmal etwas dafür bezahlen.
Zu einem seiner größten Erfolge zählt die Übernahme der Lernsoftware-Division des Spielzeuggiganten Mattel. Unter der Ägide der Spielzeugmacher produzierte die Abteilung zuletzt ein Minus in Höhe von 300 Millionen Dollar. Sie überließen Gores den Verlustbringer gegen die Zusicherung, vom künftigen Gewinn 50 Prozent abzugeben. Der 49-jährige machte sich die Arbeit, strukturierte das Sortiment neu und reduzierte die laufenden Kosten. Hunderte von Mitarbeitern wurden entlassen. Innerhalb von 75 Tagen drehte das Software-Haus wieder in die Gewinnzone und hatte nach einem Jahr Gores-Regiment rund 100 Millionen Dollar Gewinn in der Bilanz stehen.
Gores blieb auch mit anderen Deals in der Erfolgsspur. Die Hightech-Schmiede Micron Technology bezahlte sogar 70 Millionen Dollar für die Übernahme ihrer Abteilung für Personal Computer. Die Schließung wäre teurer gewesen. Gores gelang die Sanierung in ähnlich kurzer Zeit wie bei der Hewlett-Packard-Tochter VeriFone, einem Spezialisten für elektronische Zahlungssysteme. Die Erfolge machen ihn jetzt zum Hoffnungsträger bei der Sanierung von Global Crossing.