GM-Chrysler-Fusion Gerüchte befeuern Daimler-Aktie
Nun scheint denkbar, dass sich GM doch weiter an Platz eins der Weltrangliste hält - durch den Kauf von Chrysler. Einem Bericht der US-Branchenzeitung "Automotive News" zufolge ist der Branchenprimus an einer Komplettübernahme des kleineren Herstellers interessiert.
Das Blatt berief sich am Freitag auf seiner Internetseite auf Quellen aus Deutschland und den USA. Zwischen GM und der Chrysler-Muttergesellschaft DaimlerChrysler fänden Gespräche zwischen hochrangigen Managern statt. Bereits am Mittwoch hatte das manager magazin über Gespräche zwischen GM-Chef Rick Wagoner und Zetsche berichtet.
Die Aktie von DaimlerChrysler zog am Freitag auf die Nachricht hin um fast zwei Prozent an und schloss 1,3 Prozent fester bei 54,12 Euro. Im späten Frankfurter Parketthandel stiegen sie noch stärker und gewannen zuletzt 4,16 Prozent auf 55,80 Euro. Ein DaimlerChrysler-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. "Wir haben alles zu dem Thema gesagt", sagte er. Auch GM wollte keine Stellung nehmen. Der Bericht sei "Spekulation", sagte ein Sprecher nur.
Wenn es schon keine Übernahme von Chrysler durch GM gibt - dann könnte bei den Gesprächen zumindest eine Partnerschaft herausspringen. Chrysler-Chef Tom LaSorda will den Absatz außerhalb Nordamerikas durch neue Allianzen mehr als verdoppeln. Dies sagte er in einem Gespräch mit dem "Wall Street Journal".
Chrysler untersuche auch Partnerschaften, um gemeinsam Fahrzeuge, Antriebsaggregate, Achsen und andere Aspekte der Autofertigung zu entwickeln, schreibt die Zeitung. Ein Abkommen mit GM sei aber alles andere als sicher. LaSorda habe es abgelehnt, zu spezifischen Allianzen Stellung zu nehmen.
Chrysler und GM sprechen unter anderem auch über die gemeinsame Entwicklung eines großen Geländewagens wie den Chevrolet Suburban. Ein Fahrzeug dieser Größe hat die DaimlerChrysler-Sparte momentan nicht in ihrer Modellpalette. Die Gespräche laufen nach Angaben des "Journals" seit sechs Monaten. Falls eine Vereinbarung erreicht werden sollte, könnte Chrysler Entwicklungskosten sparen.
Die beiden Unternehmen schauen sich nach Darstellung des "WSJ" auch die Entwicklung von Kleinwagen an. Dabei könnte die GM Daewoo Auto & Technology genutzt werden, eine südkoreanische GM-Sparte. Sie baut den Chevrolet Aveo für GM. Das Auto wird von GM in verschiedenen Märkten verkauft, einschließlich der USA.
DaimlerChrysler hatte in dieser Woche einen Restrukturierungsplan für Chrysler vorgelegt. Er sieht einen Abbau von 13.000 Stellen in den USA und Kanada, die Schließung einer Autofabrik und drastische Kapazitätskürzungen vor. Chrysler soll so bis 2008 saniert werden. DaimlerChrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche, der Chrysler selbst fünf Jahre lang geführt hatte, schließt erstmals seit der Fusion vor rund neun Jahren einen Verkauf nicht mehr aus.
itz/Reuters/dpa-AFX