GM-Marke wird chinesisch Mit Hummer und Sichel
Hamburg - Große Autos sind in China groß im Kommen: Während der Rest der Welt nach Kleinwagen ruft, bestellt man in der Volksrepublik weiter XXL: Deutsche Mittelklasselimousinen wie den Fünfer BMW oder den Audi A6 gibt es in einer Langversion, die Mercedes R-Klasse verkauft sich in Peking besser als in Paderborn. Und während deutsche Ökos den enormen Spritverbrauch von Geländewagen kritisieren, ernten die Allradmonster bei Maos Erben unvoreingenommene Bewunderung.
Da passt es gut, dass General Motors (GM) nur einen Tag nach der Insolvenz plötzlich einen chinesischen Kaufinteressenten für die übergewichtige Marke Hummer präsentiert hat. Denn auch der Gigant aus dem Golfkrieg steht in China hoch im Kurs. Nicht umsonst waren bei den vergangenen Automessen in Shanghai und Peking mehr oder minder dreiste Kopien des kantigen Kolosses zu sehen.
Wenn alles glatt läuft, dürfen die Chinesen den Hummer bald legal nachbauen. Dann werden die Geländewagen, die erst in Bagdad und später in Beverly Hills groß raus kamen, an den Baumaschinenhersteller Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery Co. verkauft. Dabei übernehmen die Chinesen nach einer GM-Mitteilung vom Dienstag nicht nur die Markenrechte, sondern auch die Führungsmannschaft und die bestehenden Händlerverträge. "Wenn der Deal klappt, sind damit mehr als 3000 Jobs in den USA gesichert", sagt Markenchef James Taylor.
Noch allerdings ist völlig unklar, was Tengzhong - der größte private chinesische Hersteller von Maschinen für den Hoch- und Tiefbau sowie für den Energiesektor - mit dem Hummer anstellen will. Denn auch wenn die Fähigkeiten des Geländegängers unbestritten sind, taugt er nur bedingt als Baustellenfahrzeug. Und eine neuerliche Militärkarriere ist für den einstigen Wüstenkrieger denkbar unwahrscheinlich. Schließlich gibt es auch dafür mittlerweile billigere und bessere Fahrzeuge.
Fürs erste also wird der Hummer offenbar genau das bleiben, was er schon immer gewesen ist: Ein Geländewagen von altem Schrot und Korn. Denn genau dafür wird er von den Chinesen bewundert: "Die Marke Hummer ist ein Synonym für Abenteuer, Freiheit und Frohsinn. Durch unsere Investition wollen wir dieses Erbe fortschreiben, so dass sich die Marke erneuern und wachsen kann", sagt Tengzhong-Chef Yang Yi.
"Hummer wird die erste chinesische US-Mainstream-Marke"
Außerdem kündigt er Finanzspritzen für den Markenauftritt wie für Forschung und Entwicklung an: "Damit versetzen wir Hummer in die Lage, neue Produkte zu entwickeln, die besser in die Zeit passen - zum Beispiel sparsamere Autos für den US-Markt." Die Vision vom beinahe kompakten Hummer H4, der bislang nur als Designstudie existiert und neben dem Original aussieht wie ein Smart neben einer Mercedes S-Klasse, könnte mit frischem Geld aus Fernost also doch noch Wirklichkeit werden.
Zwar wollen die Chinesen auch die internationale Präsenz des Hummer stärken, das globale Händlernetz ausweiten, neue Märkte erschließen und endlich einen offiziellen Vertrieb im eigenen Land aufziehen. Doch konzentriert sich das Engagement zunächst offenbar auf Amerika: "Hummer wird die erste chinesische Mainstream-Marke, die in den USA antritt", sagte Markenchef Jim Taylor dem Industrieblatt Automotive News. Taylor hat sechs Monate mit den Chinesen verhandelt und in dieser Zeit gelernt, "dass sie ein großes Wachstumspotential für die Marke sehen. Und zwar innerhalb und außerhalb Chinas".
Mit Blick auf den wichtigsten Markt bleibt die Hummer-Zentrale ebenso in den USA wie die Fertigung. Für die erste Zeit soll es dafür feste Verträge mit General Motors geben, und auch nach deren Ablauf steht eine Verlagerung der Produktion offenbar nicht ganz oben auf der Tagesordnung. Bis mindestens Ende 2010 ist zum Beispiel die Zukunft des Werkes in Shreveport im US-Bundesstaat Louisiana gesichert.
Allerdings müssen sich GM und die möglicherweise neuen Partner ranhalten, wenn vom ohnehin schon blassen Glanz des Hummer noch etwas zu retten sein soll. Denn die aktuelle Zulassungsstatistik spricht eine deutliche Sprache: Gegenüber dem Vorjahr sind die Verkäufe bei den 150 US-Händlern um 62 Prozent eingebrochen.