Google-Erfolg "Geld verdient, wer Leistung bringt"
Hamburg - Aus der Suchmaschine ist ein Internetkonzern geworden: Google ist ein milliardenschweres Unternehmen, das hohe Gewinne abwirft. Jetzt verkündete die Firma aus dem kalifornischen Mountain View, im dritten Quartal rund 733 Millionen Dollar Gewinn gemacht zu haben - im Vorjahreszeitraum waren es noch 381 Millionen. Macht einen Gewinnanstieg um 92 Prozent. Der Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt spricht von einem "sehr, sehr guten Geschäft" und einem "in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Quartal". "Ich hatte nicht erwartet, dass wir so gut abschneiden", erklärt er.
Auch beim Umsatz legte Google kräftig zu: Der stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 70 Prozent auf 2,69 Milliarden Dollar.
"Es wundert mich, dass es immer noch Menschen gibt, die von einer Blase reden", sagt Google-Nordeuropa-Chef Philipp Schindler zu SPIEGEL ONLINE. Schließlich verdiene Google Geld, von einer Blase könne daher keine Rede sein. "Es gibt außerdem immer noch Manager, die mich fragen: Wie verdienen Sie bei Google eigentlich Ihr Geld?" Diese Frage könne er einfach nicht mehr hören, so Schindler.
Google platziert Textanzeigen auf seiner Seite, die, passend zum Suchbegriff, auf der rechten Seite erscheinen. Klickt ein Internetnutzer auf eine dieser Anzeigen, muss das werbende Unternehmen dafür an Google zahlen - die Summe richtet sich also nach der Häufigkeit der Klicks. Der Erfolg einer Anzeige hängt davon ab, aus wie vielen Klicks sich anschließend ein erfolgreicher Geschäftsabschluss ergibt.
"Die Cost-per-order-Rate ist bei Google sehr viel besser als beim Konkurrenten Yahoo", sagt der Hamburger Online-Vermarkter Ronjon M. Sarcar. "Wenn bei Google beispielsweise jeder hundertste Besucher einer Anzeige eines Urlaubsanbieters online tatsächlich eine Reise bucht, ist es bei Yahoo vielleicht nur jeder einhundertachtzigste. Insofern ist die Cost-per-order-Rate bei Google besser." Sogenannter Klickbetrug, also künstlich erzeugte Klicks auf Anzeigen, um den Anzeigenkunden eine hohe Besucherrate auf ihrer Anzeigenseite vorzutäuschen und damit mehr Geld abzurechnen, spiele in der Realität eine sehr untergeordnete Rolle.
Das Umsatzwachstum bei Google ist nach Angaben von Beobachtern ein Zeichen, dass das 1998 gegründete US-Unternehmen bei steigenden Ausgaben der Werbetreibenden im Internet weitere Marktanteile gewonnen hat. In den Monaten Juli bis September habe Google aggressiv versucht, die Reichweite seiner Werbung auszuweiten und seinen Vorsprung vor Wettbewerber Yahoo im Kerngeschäft Suchmaschinen auszubauen.
Tatsächlich haben sich die Kräfteverhältnisse im virtuellen Markt verschoben: Während Google seine Gewinne im Rekordtempo steigert, hat Konkurrent Yahoo für das abgelaufene Quartal einen Gewinneinbruch gemeldet. Am Dienstag kündigte Yahoo einen Gewinnrückgang um 37,5 Prozent auf 158,5 Millionen Dollar für das dritte Quartal an. Grund: der steigende Wettbewerb im Online-Werbegeschäft.
Noch vor einem Jahr lagen die beiden Internetunternehmen mit einem Anteil von je 18 Prozent am US-Web-Anzeigenmarkt gleichauf. Seitdem steigerte Google diesen Anteil nach Angaben des Marktforschungsinstituts eMarketer auf 23 Prozent, während der Anteil von Yahoo nur um einen Punkt stieg. Dieser Markt hat Prognosen zufolge 2006 ein Volumen von 16,7 Milliarden Dollar. Der Wettbewerb in dem Riesenmarkt wird mit wachsendem Volumen wohl noch größer: Für 2010 sagen Experten ein Umsatzvolumen von 29,4 Milliarden Dollar voraus.
Andere Suchmaschinen-Anbieter spielen auf dem Anzeigenmarkt nur noch eine untergeordnete Rolle. Zudem verfolgen sie unterschiedliche Geschäftsmodelle: Im Gegensatz zu Google setzt beispielsweise Lycos verstärkt auf die klassische Bannerwerbung. Aber auch hier steigen Umsätze und Gewinne: "Im zweiten Quartal lagen wir beim Umsatz rund 40 Prozent im Plus", sagte Lycos-Sprecher Kay Oberbeck zu SPIEGEL ONLINE. "Für das dritte Quartal veröffentlichen wir unsere Zahlen am Dienstag."
Trotz gestiegener Gewinne sind die Google-Aktien für Anleger eher riskant: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen dem Kurs einer Aktie und dem Unternehmensgewinn pro Aktie deutet darauf hin.
Online-Marketing-Experten sind dennoch vom Erfolgskurs des Internets überzeugt. Vor allem die Großen des Geschäfts, die technisch auf den neuesten Stand blieben, hätten gute Chancen, sagt ein Anzeigenvermarkter. Weil die Großen bekannt sind, steigen dort die Klickzahlen - und entsprechend das Interesse der Werbebranche, dort Anzeigen zu platzieren. "Wer wirbt schon bei den kleinen Anbietern, wenn es sich nicht gerade um Spezialsuchmaschinen handelt, die eine ganz bestimmte Zielgruppe ansprechen? Die Reichweite von Google ist derzeit unschlagbar."
Die steigt auch durch diverse Zukäufe Googles - zuletzt das Videoportal YouTube für die gigantische Summe von mehr als 1,65 Milliarden Dollar. Das Internet lerne endlich die Marktgesetze, die Bedeutung von Angebot und Nachfrage, erklärt der Branchenexperte. Geld verdiene nur noch, wer tatsächlich Leistung bringe und Umsatz erzeuge. Ein Online-Vermarkter behauptet: "Wer jetzt noch von einer Internetblase redet, hat wirklich nichts verstanden."
kaz/ddp/AP/AFP/Reuters