Google-IPO Merrill Lynch verzichtet auf Prestige-Geschäft
Washington - Die US-Investmentbank sagte deshalb seine Beteiligung an dem Börsengang von Google am Montag ab. Der auf 2,7 Milliarden Dollar geschätzte IPO hätte sich für die Wall-Street-Banker nicht gelohnt, heißt es in Branchenkreisen.
Weder Merrill Lynch noch Google haben sich zu dem Rückzug geäußert, in Branchenkreisen heißt es jedoch, dass die Investmentbank mit dem geplanten Auktionsverfahren nicht einverstanden gewesen sei.
Sieben-Prozent-Sitte gebrochen
Einige Konkurrenten sahen dennoch ihre Chance. Die vollständige Liste der Konsortialbanken hat Google am Montag bei der US-Wertpapieraufsicht SEC eingereicht. Konsortialführer für die im Spätsommer oder Herbst geplante Neuemission sind Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston .
Nach althergebrachter Wall-Street-Sitte belaufen sich die Bankenkommissionen für einen Börsengang auf sieben Prozent des Emissionsvolumens. Dieses Vergütungsmodell hat den Investmentbanken in guten Neuemissions-Jahren stattliche Gewinne eingefahren. Ausgerechnet der als Eisbrecher gehandelte Börsenkandidat Google hat mit dieser Tradition gebrochen.
Beim Google-IPO werden die Aktien in einer Art Auktion versteigert. Die Höhe der Gebühren ist zwar nicht bekannt, einige Banker schätzen sie jedoch nur auf drei Prozent des Gesamtvolumens, zudem wird der Verwaltungsaufwand auf Grund des gewählten Verfahrens als hoch bezeichnet. Die Verdienstmöglichkeiten sind so gering, dass der IPO in Bankenkreisen bereits als "Loss Leader" verspottet wird.