Goya-Club: Tanz der Aktionäre - DER SPIEGEL
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Goya-Club Tanz der Aktionäre

Drei Tage feierte Deutschlands erster Aktionärsclub "Goya" in Berlin Eröffnung. In das Hauptstadt-Etablissement können sich auch über 40-jährige trauen. Elegant aber nicht versnobbt - neben Promis sind vor allem Normalos erwünscht.
Von Corinna Schulz und Lisa Wandt
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Es riecht ganz neu, ein bisschen nach Farbe und Lösungsmittel. Etwas ungläubig stehen die ersten Gäste des "Goya" auf dem dunklen Parkettboden der Tanzfläche unter der 15 Meter hohen ovalen Stuckdecke und staunen. Das ist er nun - Berlins neuer Mega-Club. Clean und puristisch - schöne Neue Partywelt. "Ist ja scharf!", entfährt es Sandra Wiandt (38), einer zierlichen Brunetten im Kleinen Schwarzen. Und das Goya gehört ihr sogar, zumindest ein bisschen, denn ihr Mann ist hier Aktionär.

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Goya-Club: Tanz der Aktionäre

Foto: DDP

Um sie herum stehen die ehemaligen Repräsentanten der New-Economy-Generation, die in edlem Zwirn und randlosen Brillen an der Tapas-Bar lehnen und Parmaschinken verzehren. Sonnenbankgebräunte Gesichter eines in die Jahre gekommenen Partyvolkes amüsieren sich im "Goya" am Schöneberger Nollendorfplatz neben älteren grauhaarigen Ehepaaren, die sich zu jung fühlen, sich endgültig aus dem Berliner Nachtleben zu verabschieden. Im "Goya" laufen sie auch nicht Gefahr, ihren Kindern an der Bar zu begegnen. "Meine zwanzigjährige Tochter zieht es sowieso eher in den Osten der Stadt, die tanzt jetzt im 'Café Moskau'", sagt eine blondierte Mitfünfzigerin aus Charlottenburg.

Jetzt steht sie auf der Galerie im ersten Stock und hält Ausschau nach Frauenschwarm Dominic Raacke, dem Berliner "Tatort"- Kommissar, einer von zahlreichen prominenten Aktionären des Clubs. Vergeblich. Raacke ist zuhause in München und auch ansonsten ist kaum einer von Clubchef Peter Glücksteins (54) Prominenten Unterstützern erschienen, obwohl im Vorfeld bei den Aktienzeichnern mit klangvollen Namen wie Franziska van Almsick, Brötchenkönig Heiner Kamps oder Maler Markus Lüpertz geworben wurde.

Das Goya - eine promifreie Zone. Peter Glückstein sieht es gelassen. Er setzt nicht auf Promis. "Wir brauchen keinen Regierenden Bürgermeister hier", so der Gastronom, für den das "Goya" der fünfte Laden in seiner Karriere ist. Die üblichen Verdächtigen der Berliner Promi-Liga habe er gar nicht erst eingeladen. "Hier soll jeder hinkommen, der sich wohlfühlt", so Glückstein. Eine bestimmte Zielgruppe hat er nicht.

Elf Millionen Euro kostete der Umbau des rund hundertjährigen Jugendstilbaus, der schon Theater, Konzerthalle, Pornoschuppen und Club war, in dem David Bowie zusammen mit Iggy Pop extatisch gefeiert haben soll. Architekt Hans Kohlhoff, der auch das DaimlerChrysler-Gebäude am Potsdamer Platz entworfen hat, hat das Riesengebäude in einen eleganten Hauptstadtclub verwandelt: schlichter Stuck, zwei Balkonetagen, alles in weiß. Von den Decken flackern Kerzen in gläsernen Murano-Lüstern.

Finanziert wurde der neue Tanztempel des Westens zum größten Teil von den rund 2500 Aktionären, die Aktienpakete bis zu 3960 Euro erwerben konnten. Glückstein hat das finanzielle Risiko auf viele Schultern verteilt. Die Mehrheit der Aktionäre sind Ärzte, Psychoanalytiker und "Privatiers", die bisher eher dafür bekannt waren, ihr Geld in Containerschiffen gen steuermindernden Verlust fahren zu lassen. Jetzt haben sie auf ihr Amüsement der Zukunft gesetzt.

Als Aktienbesitzer des nicht börsennotierten Clubs haben sie ein Leben lang freien Eintritt. Die wenigsten erwarten eine hohe Rendite: Die einen glauben an die Vision von Glücksstein, der im Berliner Westens etwas Einzigartiges schaffen will und in seinem "Goya" auch ein neues Gesellschaftsmodell erkennt. Hier sollen alle tanzen, "alt jung, arm reich, dick und dünn, homo und hetero".

Andere haben sich scheinbar in den Club eingekauft, weil sie oft genug mit dem strengen Blick der Berliner Türsteher zu kämpfen hatten. Für sie soll die Einlassprozedur keine Zitterpartie mehr sein. Holzfällerhemd und Buntfaltenjeans sind erlaubt.

Kategorie drei findet es einfach schick dabei zu sein, freut sich, dass sich der Westen Berlins endlich vom szenigen Berliner Osten emanzipieren könnte. Der Westen hat wieder einen Tempel. Eigentlich totgesagt, lebt er mit dem Goya vielleicht länger oder wieder auf, obwohl mit der ParisBar-Pleite einer der letzten große Bastionen schon gefallen schien.

Glückstein hört am liebsten Weltmusik. Am Eröffnungsabend lehnt er erschöpft an der Bar und schwärmt von den exotischen Klängen, die hinter ihm aus den Boxen dröhnen. Doch viele Gäste hatten trotz Rosé-Sekt und jeder Menge Cocktails Mühe, die ungewohnte Klangmixtur aus Salsa, Soul, Afrikanischer Trommelmusik, Flamenco und Russendisko in elegante Bewegungen umzusetzen. Tanzen will auch im Goya gelernt sein.

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