GPRS: Fehlstart programmiert - DER SPIEGEL
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GPRS Fehlstart programmiert

In diesen Wochen starten die Netzbetreiber mit ihren GPRS-Netzen. Doch die neue Mobilfunktechnik wird zunächst eine geschlossene Veranstaltung bleiben, weil es keine GPRS-fähigen Handys gibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Am Mittwoch nimmt Viag Interkom als erster Netzbetreiber sein GPRS-Netz offiziell in Betrieb, am 1. Februar wird die Telekom-Tochter T-Mobil folgen. Noch gibt sich René Obermann optimistisch. Der Start von GPRS werde dem fast schon totgesagten mobilen Internet, das zurzeit als WAP über die Handys flimmert, neues Leben einhauchen. "WAP ist nicht tot, wir werden in diesem Jahr den Durchbruch auf dem deutschen Mobilfunkmarkt erleben", versichert der T-Mobil-Chef.

Mit GPRS (Abkürzung von General Packet Radio Service) werden wesentlich höhere Datenübertragungsraten möglich. Außerdem kann das Handy ständig online bleiben, weil die Kosten nach der übertragenen Datenmenge abgerechnet werden.

Die neue Netz-Technik soll der so genannten dritten Mobilfunk-Generation UMTS den Boden bereiten, das in zwei bis drei Jahren an den Start gehen soll. Wenn die Kunden erst das mobile Internet schätzen gelernt haben, werden sie von den Möglichkeiten der UMTS-Technik begeistert sein, so das Kalkül.

Bis dahin wird es allerdings noch eine ganze Weile dauern. Denn zum Start von GPRS wird kaum jemand über ein Endgerät verfügen, mit dem sich der neue Standard nutzen lässt. Bislang hat nur Motorola eine Auslieferung seiner GPRS-Handys in nennenswerten Stückzahlen angekündigt. Die beiden Marktführer in Deutschland, Siemens und Nokia, dürften frühestens zur CeBIT Ende März mit neuen Modellen auf den Markt kommen.

Obermann schätzt, dass kurzfristig allenfalls 20.000 Geräte zur Verfügung stehen werden. Bis größere Stückzahlern in die Verkaufräume gelangten, werde es wohl noch vier bis fünf Monate dauern. Christoph Netesheim, Geschäftsführer der Boston Consulting Group sieht die GPRS-Einführung denn auch eher als "Marketing-Maßnahme in Richtung Kunden und Investoren". In diesem Jahr würden sich voraussichtlich nur wenige Nutzer für GPRS entscheiden.

Mit Vodafone und der Telecom Italia Mobile haben zwei der größten europäischen Mobilfunkanbieter deshalb den Zeitplan für die Einführung GPRS-basierter Datendienste gestreckt. Vor Anfang 2002 rechnen sie nicht mit nennenswerten Umsätzen in diesem Segment.

Ein Manager der Telecom Italia Mobile geht sogar noch einen Schritt weiter. Als Folge der Verzögerung der Einführung von GPRS rechnet er auch nicht mehr damit, dass UMTS nicht - wie angekündigt - 2002, sondern erst zwei Jahre später an den Start gehen kann.

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