Griechenland Fit für den Euro
Brüssel - Der Kurs der griechischen Währung wurde von 353 Drachmen pro Euro auf 340,75 Drachmen herabgesetzt. Damit wird der Wert dem Marktkurs angenähert, der in jüngster Zeit bei 331 Drachmen für einen Euro lag. Die Drachme kann weiterhin nach oben und unten um 15 Prozent vom Leitkurs abweichen.
Die griechische Regierung bezeichnete die Aufwertung als einen historischen Moment. Ministerpräsident Kostas Simitis sagte am Samstagabend, die Anstrengungen des griechischen Volkes in den vergangenen Jahren hätten sich gelohnt. Er hatte dem Land einen Sparkurs verordnet.
Einen offiziellen Antrag zum Beitritt als zwölftes Euro-Mitglied will die griechische Regierung im März stellen. Im Juni soll der EU-Gipfel über die Mitgliedschaft zum 1. Januar 2001 beschließen. Der Leitkurs wird als unwiderruflicher Umrechnungskurs zum Euro bei einem Beitritt zur Währung genommen.
Griechenland erfüllt die wichtigsten Kriterien zur Teilnahme am Euro wie die Begrenzung des Haushaltsdefizits und der Staatsverschuldung. Zu hoch sind im Moment aber noch die Inflationsrate und die Leitzinsen. Mit dem neuen Leitkurs erhofft sich Athen eine effizientere Inflationsbekämpfung und damit auch Zinssenkungen.
Griechenland war im März 1998 nach einer Abwertung von 13,8 Prozent dem Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems beigetreten. Der Markt hatte diese Abwertung jedoch nicht nachvollzogen, und die Drachme lag jüngst noch rund sieben Prozent über dem Leitkurs. Nach den Beitrittskriterien des EU-Vertrages muss ein potenzielles Euro-Mitgliedsland die normalen Bandbreiten im Wechselkursmechanismus zwei Jahre lang ohne Abwertung einhalten.
Der EU-Währungsausschuss bestand am Samstag darauf, dass Griechenland weiterhin eine strikte Politik der Haushaltssanierung und Inflationsbekämpfung verfolgt und Strukturreformen verwirklicht.
Die Beratungen des EU-Währungsausschusses über die Kursanpassung der griechischen Drachme hatten in Brüssel noch nicht einmal begonnen, da waren die griechischen Medien schon am Samstag voll von Lobeshymnen. Sie sprachen von einer "historischen Entscheidung" und begrüßten eine "harte Währung".
Die Währungsunion hatte am 1. Januar 1999 mit elf Mitgliedern begonnen. Lediglich Großbritannien, Dänemark, Schweden und Griechenland blieben draußen. Während die ersten drei vorerst keine Mitgliedschaft wollten, erfüllte Griechenland die Bedingungen noch nicht. Das Euro-Bargeld soll Anfang 2002 ausgegeben werden.
Am Freitag hatte der Exekutivausschuss der regierenden schwedischen Sozialdemokratischen Partei beschlossen, dem kommenden Parteitag die Mitgliedschaft in der Währungsunion zu empfehlen. Diese Entscheidung wurde vom EU-Währungskommissar Pedro Solbes am Samstag in Brüssel begrüßt. Auch in Dänemark laufen Betrebungen für ein baldiges Referendum zur Euro-Mitgliedschaft. In Großbritannien hat dagegen die öffentliche Stimmung gegen eine Beteiligung am Euro in jüngster Zeit eher noch weiter zugenommen.