Grundig: Neue Bildstörung - DER SPIEGEL
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Grundig Neue Bildstörung

Mehrheitsaktionär Kathrein will bei Grundig 350 Stellen abbauen. So soll der Unterhaltungselektroniker in drei Jahren rentabler werden.
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Nürnberg - Der neue Mehrheitsaktionär der Grundig AG, Anton Kathrein, will bis zum nächsten Jahr rund 350 Stellen bei dem Unterhaltungselektronik-Konzern abbauen. Die Zahl der Mitarbeiter solle sich auf 5500 einpendeln, sagte der Vorsitzende des Grundig- Aufsichtsrats am Montag in Nürnberg.

Dort stellte der Rosenheimer Antennenbauer sein neues Konzept für Grundig vor. "Grundig muss ein großer, aber überschaubarer Mittelständler werden", erklärt der oberbayerische Industrielle. Er bescheinigt Grundig eine "Riesenchance" vor allem im Ausland. Dabei trifft er auf Widerstand bei der kampferprobten Grundig-Belegschaft. "Wir spielen nicht mit, wenn Personal gekündigt wird", sagt der Betriebsratsvorsitzende Dieter Appelt.

Bis Jahresende will Kathrein die Aufstockung seiner Anteile von derzeit 25 auf 74 Prozent abgeschlossen haben. Von der Zusammenarbeit der Kathrein-Werke und Grundig erhofft sich der Unternehmer zahlreiche Synergien im weltweiten Vertrieb, bei der Produktentwicklung und im Einkauf. Von 2003 an soll Grundig drei Prozent Umsatzrendite vor Steuern erzielen.

Hinter der Zukunft des angeschlagenen Unterhaltungselektronik- Konzerns stehen daher viele Fragezeichen. Die Synergieeffekte zwischen dem florierenden Antennenhersteller und Grundig bei Einkauf, Vertrieb und Produktentwicklung kann Kathrein nicht beziffern. Die Übernahme von Grundig für schätzungsweise 350 Millionen DM stellt für den Antennenbauer eine enorme zusätzliche finanzielle Belastung dar. Beide Firmen sind völlig verschieden. Grundig übertrifft Kathrein beim Umsatz mit 2,7 Milliarden DM um mehr als das Doppelte.

Die Finanzdecke des Grundig-Konzerns ist jedoch weiterhin dünn. Die schwache Konjunktur, der enorme Preisverfall und der harte Wettbewerb aus Fernost belasten den Ertrag. Wie im vergangenen Jahr wird Grundig auch 2000 nur mit der Auflösung von Rückstellungen schwarze Zahlen schreiben. 1999 hatte Grundig einen schmalen Jahresüberschuss von 15,3 Millionen Mark erreicht. Auch das Umsatzziel für 2000 musste Grundig am Montag um 100 Millionen DM auf 2,9 Milliarden DM nach unten schrauben. Mit dem ursprünglich für 2004 geplanten Börsengang zeigt sich Kathrein zurückhaltend. "Das ist erst mal kein Thema." Der Schritt sei davon abhängig, ob der Konzern zwei bis drei Jahre schwarze Zahlen geschrieben hat.

Zudem bleibt der Konzern mit jährlich 2,6 Millionen TV-Geräten auf das ertragsschwache Fernsehgeschäft ausgerichtet. Kernproblem ist weiterhin die zu geringe Auslastung der Werke, wie zum Beispiel in Nürnberg-Langwasser mit 60 Prozent. Branchenkenner bemängeln, dass Kathrein dafür kein schlüssiges Konzept hat.