Güterzug-Spektakel Peking-Express erreicht Hamburg
Hamburg - Nach 15 Tagen Non-Stop-Fahrt kommt der Peking-Hamburg-Container-Express in der Hansestadt an. Schnaufend stoppt der 700 Meter lange Testzug im Güterbahnhof Süderelbe, rund 10.000 Kilometer hat er in den vergangenen zwei Wochen zurückgelegt. Im Hamburger Hafen knattert ein Feuerwerk, Schaulustige recken die Hälse. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nimmt den Express pressewirksam in Empfang.
"Das ist ein Produkt der Zukunft", sagt Mehdorn. Mit dem Projekt wollte die Bahn zeigen, dass der Schienenverkehr von Europa nach Asien eine Zukunft habe. Bis 2010 will die Bahn nach Angaben Mehdorns einen regelmäßigen Güterverkehr nach Asien aufnehmen. Jeden Tag soll dann ein Zug in jede Richtung starten.
Der Bahntransport ist laut Unternehmen doppelt so schnell wie der gegenwärtige Transport per Schiff mit 34 Tagen. Kostenmäßig liege der Bahntransport zwischen Luftfracht und Schiffstransport. Allerdings passen auf einem China-Zug maximal 89 Container, ein modernes Containerschiff fasst bis zu 10.000 Stück.
Mehdorn will Frachten auf die Bahn bringen, die schnell sein müssen, für die aber fliegen zu teuer sei: Aktionsware der Modeindustrie, Elektronikgeräte. Außerdem könnten Waren aus West- und Nordostchina auf die Schiene gehen, denn diese Sachen müssen für den Seetransport erst zu den Exporthäfen im Süden Chinas gebracht werden.
Der Peking-Hamburg-Container-Express war sogar fünf Tage schneller als geplant am Ziel - ursprünglich sollte er 20 Tage für seine Reise durch China, die Mongolei, Russland, Weißrussland, Polen nach Deutschland benötigen. Für den regulären Betrieb peilt die Bahn eine Reisezeit von zehn Tagen an.
Aber der Transport ist nicht einfach. Zwei Mal müssen die Container unterwegs umgeladen werden, weil sich die Spurweite der Gleise ändert. Lokomotiven und Personal müssen ständig getauscht werden.
Bahn plant Teilumzug nach Hamburg
Mehdorn kündigte auch ein großes Investitionsprojekt in Hamburg an. Der Hauptbahnhof solle verlängert und mit einem Bahn-Hochhaus ergänzt werden. Dort sollen 1500 der bis zu 8000 Bahnmitarbeiter der Stadt zusammengezogen werden. Zurzeit bespreche die Bahn das Projekt mit der Stadt.
Vor zwei Jahren hatten Mehdorn und die Stadtregierung den Umzug des gesamten Konzernvorstandes nach Hamburg geplant. Sie waren am Widerstand der Bundesregierung gescheitert, die den Hauptsitz des Staatsunternehmens in Berlin halten wollte. Ein Umzug der Bahn-Logistiksparte nach Hamburg sei noch nicht beschlossen. "Eine Entscheidung fällt bis Jahresende", sagte Mehdorn. "Es ist richtig, dass wir über nur einen Logistikstandort nachdenken."
Zurzeit ist die Gütersparte der Bahn auf mehrere Standorte verteilt, etwa Berlin, Mainz und Essen. Mehdorn erklärte, Hamburg sei in der weltweiten Logistik "eine große Nummer", was die Stadt als Standort attraktiv mache. Mehdorn nannte aber auch Rotterdam als denkbaren Standort.
ssu/AP/dpa