Gut gewappnet - DER SPIEGEL
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Manager Gut gewappnet

In den Chefetagen nimmt man es mit der Wahrheit nicht immer so genau: Die Aktionäre werden oft belogen.
• aus DER SPIEGEL 28/1996
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Flinke Wagen und flotte Sprüche liebt Manfred Schmitt über alles. Seine Firma Escom werde 1996 kräftig wachsen und Gewinne machen, versprach der Lamborghini-Fan noch vor einem halben Jahr.

Vom PC-Vermarkter werde Escom zum Multimedia-Konzern mutieren - so lautete die kühne Botschaft des Unternehmers. Und viele Aktionäre glaubten ihm.

Dieses Vertrauen müssen sie nun teuer bezahlen. In der vergangenen Woche meldete Escom Vergleich an. Der Aktienkurs, vor einem halben Jahr noch über 20 Mark, tendiert nun gegen Null.

Die Escom-Aktionäre sind um etliche Mark ärmer - und um eine bittere Erfahrung reicher: Die Herren in den Chefetagen nehmen es mit der Wahrheit oft nicht so genau. Daß die Geschäftslage geschönt und Verluste vertuscht werden, gehört fast schon zum Alltag.

Noch im Februar dieses Jahres hatte Philipp-Holzmann-Chef Lothar Mayer den Anteilseignern des Frankfurter Baukonzerns eine gute Dividende versprochen. Bereits drei Monate später schockte er sie mit der traurigen Botschaft, daß erstmals seit 1949 die Ausschüttung ausfalle. Leider mache der Konzern 443 Millionen Mark Verlust.

Mayers Verhalten erinnert fatal an den einstigen Daimler-Benz-Chef Edzard Reuter. Der hatte auf der Hauptversammlung des vergangenen Jahres einen Gewinn versprochen und ein äußerst positives Bild von der Zukunft des von ihm gestalteten Technologiekonzerns gemalt.

Wenige Wochen später zählte sein Nachfolger Jürgen Schrempp nach, und er entdeckte horrende Verluste. Kritische Aktionärsvertreter fühlten sich geprellt, sie erstatteten Anzeige. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Justiz wird in diesem - und in vielen weiteren Fällen - wohl kaum fündig werden. Der Nachweis, daß Manager bewußt gelogen haben, fällt in der Regel schwer.

Es ist ja auch durchaus möglich, daß viele die Warnzeichen einfach übersehen - der nüchterne Verstand wird ausgeblendet. Wer will schon von den eigenen Visionen lassen?

Friedrich Ebeling, Chef des Dortmunder Getränkekonzerns Brau und Brunnen, ist so einer, der alles gern etwas größer hat. Auf Pump hat er einen riesigen Laden mit Brauereien und Sprudelquellen zusammengekauft. In einem schwierigen Markt sei er »gut gewappnet«, prahlte Ebeling vor einem Jahr, insgesamt halte er »eine runde Palette«.

Tatsächlich aber, das gab der Getränkemanager jetzt bekannt, machte die Firma im Vorjahr rund 181 Millionen Mark Defizit. Er habe den Erlösverfall »unterschätzt«, gesteht Ebeling locker ein.

Ebeling darf ebenso auf seinem Posten bleiben wie Heyo Schmiedeknecht, der Chef des Anlagenbauers Deutsche Babcock AG. Seit Jahren verspricht der die Wende.

Doch die Dividende fällt wieder aus, Schmiedeknecht mußte auf der Hauptversammlung des Unternehmens »Managementfehler und hausgemachte Fehlentwicklungen« eingestehen.

Nun baut der Manager wieder einmal um, wieder verspricht er Besserung. Mit einem Crashprogramm will er die Verlustlöcher stopfen. Doch am vergangenen Freitag verunsicherten erneut Gerüchte über eine Schieflage des Konzerns die Börse. Der Aktienkurs, am vergangenen Freitag 54,70 Mark, fiel in eineinhalb Jahren auf rund ein Viertel, allein in den letzten Wochen sank er um fast 50 Mark.

Doch warum sollte Managern beim dritten oder vierten Versuch gelingen, was ihnen in den ersten Anläufen nicht gelungen war? Sie haben es nur noch schwerer, das mehrfach verfehlte Ziel zu erreichen: Ihre Glaubwürdigkeit ist dahin, ihre Aktien sind nur noch Spekulationsobjekte für Zocker.

So gibt es immer noch einen regen Handel mit den fast wertlosen Papieren des Bremer Vulkan. Doch viele Aktionäre, die dem Werftenchef Friedrich Hennemann jahrelang geglaubt hatten, sind ruiniert, manche hatten ihre gesamten Ersparnisse in Vulkan-Papieren angelegt.

Hennemann sitzt nun in U-Haft. Er hat nicht nur das Geld der Aktionäre verspielt. Ihm wird vorgeworfen, 850 Millionen Mark, die für den Aufbau der Werften in Ostdeutschland gedacht waren, widerrechtlich im Westen verwendet zu haben.

Nicht immer aber verschließen die Manager und Unternehmen die Augen vor der bitteren Realität. Einige, die sehen, was sie angerichtet haben, versuchen zu retten, was zu retten ist - vor allem für sich selbst.

Als ein Miteigentümer des Maschinenbauers Krones AG merkte, daß die Geschäfte schlecht liefen, verkaufte er rechtzeitig über 1000 Aktien aus dem Familienbesitz - bevor die Aktionäre die Misere ahnten und der Kurs wegbrach. Der Mann wurde wegen Insiderhandels verurteilt.

Dasselbe Delikt vermutet das Frankfurter Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel auch im Fall Escom. Einige Anteilseigner haben ihre Papiere rechtzeitig abgestoßen. Das Amt prüft nun, ob die Aktionäre nicht nur belogen, sondern auch noch betrogen worden sind.

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