Compuserve Hallo Steffi
Geplant war ein Knaller: Die ganze Welt sollte mit Steffi Graf im Internet schwatzen können. Es wurde ein Flop: Gerade mal 600 Interessierte klickten sich ein. »Hallo, Steffi, was für einen Beruf hast du gelernt?« fragte einer. Die genervte Tennis-Queen antwortete einsilbig: »Ich spiele Tennis.«
Die erhoffte Werbewirkung für Compuserve blieb aus. Dabei braucht das 1969 gegründete Unternehmen vor allem eines dringend - neue Kundschaft.
Von Mai bis Juli, im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres, schrieb Compuserve Verluste, obwohl das Online-Geschäft weltweit boomt. Minus 12,5 Millionen Dollar stand unter der Quartalsbilanz.
Die Aktienkurse fielen von 33 Dollar im April dieses Jahres auf knapp 9 Dollar Ende vergangener Woche. Die Muttergesellschaft von Compuserve, der amerikanische Steuerberatungskonzern H&R Block, reagierte prompt: Der für Herbst geplante Verkauf von weiteren Aktienpaketen ist auf unbestimmte Zeit verschoben.
Ausgerechnet in der erfolgsverwöhnten Online-Branche stehen nun Entlassungen an. Compuserve beschloß, in den USA 150 Leute zu feuern. Auch in Europa muß gespart werden.
Der älteste der großen Online-Dienste der Welt, über dessen globales Netz von Datenleitungen gegen Gebühr berufliche und private Informationen abgerufen und ausgetauscht werden können, steckt tief in der Krise. Neue Anbieter attackierten den Marktführer mit aggressivem Marketing und oft billigeren Info-Angeboten. Hinzu kommt: Die Zugangssoftware des Dienstes gilt vielen Nutzern als umständlich. Die Abonnenten müssen noch immer mit einer bis zu zehnstelligen Identifikationsnummer angeschrieben werden.
So verlor Compuserve die Marktführung an den Rivalen America Online (AOL). In den vergangenen zwei Jahren stieg die Zahl der AOL-Kunden auf über sechs Millionen, Compuserve stagniert bei rund fünf Millionen Abonnenten.
Die Firmenzentrale in Columbus (Ohio) will nun gegensteuern. Neue Angebote und eine komfortablere Zugangssoftware stehen bereit. Das soll Privatkunden locken.
Teil zwei der Offensive gilt den Geschäftskunden. Anfang Oktober reiste Vice President Peter van Camp eigens nach Deutschland, um die neue Strategie auch in Europa zu erläutern.
Beim Besuch des Oktoberfestes und den tags drauf anberaumten Strategieberatungen in Münchens Schlafstadt Unterhaching schwor der Manager seine deutsche Truppe auf ein ehrgeiziges Ziel ein: Der Umsatz mit der Firmenkundschaft soll um 50 Prozent wachsen.
Den künftigen Geschäftskunden will er gleich mit der »Lösung all ihrer Kommunikationsaufgaben, samt Software, Hardware und Service«, beglücken, erläuterte der US-Manager den 30 Mitarbeitern der Direktion Zentraleuropa.
In den USA besitze Compuserve genau in diesem Geschäftsfeld schon große Erfahrung, sagte van Camp, weltweit seien 1000 Geschäftskunden unter Vertrag.
In Deutschland steht Compuserve bei der Akquise von Geschäftskunden erst am Anfang. Bisher hilft die Firma mit ihrem Online-Service unter anderen der Lufthansa: Crew-Mitglieder können sich weltweit die Dienstpläne abrufen.
Reibungslos läuft der Service für Geschäftsleute keineswegs. In der ersten Hälfte des Jahres gab es bei Compuserve Deutschland reichlich Reklamationen.
Das Abrechnungssystem, von Dollar auf Mark umgestellt, funktionierte nicht. Jede Menge zur Versöhnung gereichte Gutschriften wurden verschickt, der Online-Dienst kehrte schließlich wieder zur Berechnung in Dollar zurück.
Auch die offenbar zu langsamen Leitungen sind für viele Kunden ein ständiges Ärgernis. In den elektronischen Kummerkästen machen sie sich Luft.
Da mosert Ingo R. Kirchner (ID-Nummer 100532,3542): »Meine Erfahrungen mit Compuserve können nur als katastrophal bezeichnet werden.« Und Hans G. Diederichs (ID-Nummer 10033,3276) schimpft: »Seit einigen Wochen werde ich von unaufgeforderter E-mail terrorisiert, noch nicht einmal das Antworten mit der Bitte um Unterlassung funktioniert.«
Kritiker müssen sich jedoch in acht nehmen. 14 Computersurfern, die ihrem Frust im Forum freien Lauf ließen, wurde die Mitgliedschaft gekündigt.
Der Datendienst teilte mit, es bestehe kein Interesse mehr an ihnen. Sie sollten doch gehen, »da Compuserve sich außerstande sieht, den von Ihnen gewünschten Level an Serviceleistung zu erbringen, und verhindern möchte, daß Ihnen durch Nutzung des Services weitere Unzufriedenheit entsteht«.
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Compusereve - Daten
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