Hamburger Hafen: Schlechte Geschäfte 2022 - DER SPIEGEL
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Bilanz 2022 Krisen setzten Hamburger Hafen zu

Knapp sieben Prozent weniger Waren, dazu ein sinkender Containerumschlag: Der Hamburger Hafen klagt über die Vielzahl der Krisenfaktoren. Wichtigster Handelspartner bleibt China – mit Abstand.
Hafen Hamburg: Platz drei nach Rotterdam und Antwerpen
Hafen Hamburg: Platz drei nach Rotterdam und Antwerpen

Hafen Hamburg: Platz drei nach Rotterdam und Antwerpen

Foto: Z1029 Maurizio Gambarini/ dpa/dpaweb

Der Hamburger Hafen hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Waren umgeschlagen als 2021. Insgesamt seien 119,9 Millionen Tonnen Seegüter über die Kaikanten gegangen, sagte der Chef von Hafen Hamburg Marketing, Axel Mattern. Das seien 8,8 Millionen Tonnen oder 6,8 Prozent weniger als 2021.

Auf den Import entfielen 69,6 Millionen Tonnen, auf den Export 50,3 Millionen Tonnen. Gründe für den Rückgang seien der Ukrainekrieg, die Coronapandemie und die Inflation, aber auch Arbeitskämpfe im Hafen, volle Lager, eine geringere Nachfrage und gestörte Lieferketten. »Diese Dinge allein genommen wären schon eine äußerst herausfordernde Geschichte gewesen«, so Mattern. »Aber wir hatten im letzten Jahr alle gleichzeitig zu bewerkstelligen.«

Der Containerumschlag – er macht knapp 70 Prozent des Gesamtumschlags im Hamburger Hafen aus – sank den Angaben zufolge um 400.000 oder 5,1 Prozent auf 8,3 Millionen Standardcontainer (TEU). Der Import von Seecontainern sank dabei um 6,1 Prozent auf 4,2 Millionen TEU, der Export um 4,1 Prozent auf 4,1 Millionen TEU. Der Umschlag sei vor allem im dritten und vierten Quartal um 9,8 beziehungsweise 12,3 Prozent eingebrochen, sagte Mattern. Gerade mit Blick auf die steigende Zahl ein- und auslaufender besonders großer Containerschiffe mahne er den Bund eindringlich, seiner Verantwortung beim Erhalt der Bundeswasserstraße Elbe gerecht zu werden.

»Wir stehen wirklich vor dem Scheitern einer vor Jahren angefangenen Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes«, klagte Mattern. Die Verwaltung sei »eine Katastrophe vor dem Herrn«. Das zeige sich nicht nur bei den Binnengewässern, sondern auch in der Deutschen Bucht bei den seewärtigen Zufahrten.

Keine Mobilfunkabdeckung in der Deutschen Bucht

So gebe es beispielsweise keine Koordinationsstelle beim Bund. »Jeder Flughafen hat einen Tower, und eine Flugsicherung für Deutschland gibt es natürlich auch.« In der Schifffahrt gebe es nichts dergleichen. Doch damit nicht genug: So gebe es in der Deutschen Bucht immer noch keine Mobilfunkabdeckung. Das sei kein Witz, klagte Mattern. Lotsen müssten 400 Meter lange und 60 Meter breite Containerriesen »mit Bauchgefühl und Norddeich Radio über Küstenfunk« in Position bringen.

Die Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffs in der Ukraine schlagen auf den Hafen durch. »Wir haben einen überproportionalen Rückgang in der Ostsee, elf Prozent«, sagte Mattern. So sei der Umschlag mit Russland um 76,2 Prozent gesunken. Auf der anderen Seite sei der Umschlag mit Polen um 24,3 Prozent auf 294.000 TEU und Finnland um 22,3 Prozent auf 213.000 TEU gestiegen. Lag Russland zuletzt noch auf dem 4. Platz unter den Toppartnerländern, sei das Land nun auf Rang 27 abgerutscht. Der Containerverkehr und der Kohleimport aus Russland seien nahezu vollständig eingestellt, sagte Mattern.

Der Stückgutumschlag sank um insgesamt 5,8 Prozent auf 83,7 Millionen Tonnen, Massengut sank um 8,9 Prozent auf 36,2 Millionen Tonnen. Dabei seien vor allem die Rohölimporte um 93,9 Prozent gesunken, weil eine Raffinerie komplett zurückgefahren worden sei. Entsprechend sei auch der Export von Mineralölprodukten um 25 Prozent gesunken.

80 Prozent des europäischen Im- und Exports

Wichtigster Handelspartner bleibe China. Auch wenn der Umschlag um 3,8 Prozent auf 2,46 Millionen TEU zurückgegangen sei, würden immer noch mehr chinesische Container umgeschlagen als bei den nächsten acht Handelsländern zusammen. Im USA-Verkehr – Platz zwei im Ranking – sei ein leichter Rückgang um 2,1 Prozent auf 605.000 TEU verzeichnet worden, was aber durch ein Plus beim Kanada-Verkehr ausgeglichen worden sei, sagte Mattern.

Trotz der Rückgänge konnte sich Hamburg auf Platz drei der wichtigsten kontinentaleuropäischen Nordsee-Häfen halten. Schätzungen zufolge verzeichnet Rotterdam als Nummer eins ein Minus von 3,1 Prozent, sagte Mattern. Der Zweitplatzierte Antwerpen müsse ein Minus von 5,2 Prozent verkraften. Ebenfalls nicht gut lief es laut Mattern bei den Bremischen Häfen mit einem Minus von 8,9 Prozent. Alle Nordrange-Häfen zusammen verloren 4,8 Prozent. Über die Nordrange werden etwa 80 Prozent des europäischen Im- und Exports abgewickelt.

mamk/dpa