Hamburger Tarifkompromiss Besserverdiener arbeiten länger
Hamburg/Stuttgart - In neun Ländern gingen die Streiks im Öffentlichen Dienst nach Verdi-Angaben trotz der Einigung in Hamburg heute weiter. In der Hansestadt hatten die Tarifparteien zuvor eine Lösung gefunden. Aus Verhandlungskreisen hieß es, vor allem Beschäftigte in höheren Tarifgruppen im Innendienst sollten in Hamburg künftig 40 Stunden arbeiten. Für alle Beschäftigten unter 50 mit Kindern bleibe es dagegen bei der 38,5-Stunden-Woche. Kinderlose jüngere Beschäftigte müssten eine halbe Stunde länger arbeiten.
Rainer Hahn aus der Hamburger Ver.di-Verhandlungskommission wertete den Kompromiss als Erfolg. "Die Arbeitgeber sind weit weg von der 40-Stunden-Woche für das Gros der Belegschaft", sagte er. Gerade in den unteren Vergütungsgruppen, wie etwa bei der Hamburger Stadtreinigung, arbeiteten etwa 87 Prozent der Beschäftigten des Landes.
Auf die Frage, ob die Einigung Vorbildcharakter für die anderen Tarifbezirke haben könnte, sagte Ver.di-Landeschef Wolfgang Rose: "Dem will ich nicht widersprechen." Gewerkschaftsvertreter im kommunalen Tarifkonflikt in Baden-Württemberg zeigten sich allerdings zunächst unbeeindruckt von der Einigung in Hamburg. Dort sollten die Verhandlungen am Nachmittag weitergehen. Vor der möglicherweise entscheidenden Gesprächsrunde sagte der stellvertretende Ver.di-Landesbezirkschef Alfred Wohlfart, er habe die Nachricht aus Hamburg gehört. "Ich hoffe, dass sich die Arbeitgeber jetzt bewegen", fügte er hinzu.
Die Gewerkschaft wehrt sich in dem Konflikt gegen Forderungen der Arbeitgeber, die wöchentliche Arbeitszeit auf 40 nach 38,5 Stunden zu verlängern. Tausende Angestellte von Ländern und Kommunen in Westdeutschland wehren sich seit mehr als drei Wochen mit Streiks gegen die Forderung der Arbeitgeber, die tarifliche Wochenarbeitszeit auf 40 von 38,5 Stunden ohne Lohnausgleich zu erhöhen.
suc/Reuters