Handel: China und USA entschärfen Streit - DER SPIEGEL
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Handel China und USA entschärfen Streit

Rechtzeitig vor der US-Präsidentenwahl sind sich die USA und China wieder näher gekommen. Beide Seiten meldeten Fortschritte, um die zuletzt angespannten Beziehungen zu verbessern.
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Washington - China habe zugesagt, amerikanische Exporte sowie Handelsaktivitäten von US-Firmen in China zu erleichtern. Dies sei das Ergebnis eines Treffens zwischen Chinas Vizepräsidenten Wu Yi und dem US-Handelsbeauftragten Robert Zellick in Washington, berichtet die "Financial Times".

Ausländische Firmen müssen sich derzeit noch häufig an einen chinesischen Handelspartner wenden, um ihre Produkte im Land zu verkaufen. Außerdem habe China den Plan aufgegeben, einen Sicherheitsstandard für drahtlose Kommunikation einzuführen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise. Ein solcher Standard hätte US-Telekomunternehmen in China gezwungen, Lizenzen von ihren Wettbewerbern einzukaufen.

Kampf gegen Raubkopien

Weiterhin habe China zugesagt, gegen illegale Raubkopien von Filmen, Software und Musik schärfer vorzugehen. Fälschungen und die Verletzungen von Patentschutz sind in der boomenden Volkswirtschaft ein großes Problem: Es gibt kaum einen Markenartikel, von dem es in China nicht auch ein billiges Imitat gibt.

Die chinesische Seite habe Verständnis dafür gezeigt, dass die Handelsbilanz zwischen den USA und China langfristig wieder ins Gleichgewicht kommen müssen, wird ein Mitglied der US-Verhandlungsgruppe zitiert. Einvernehmen habe besonders darüber geherrscht, die US-Exporte nach China zu erhöhen.

Chinas RMB gilt als unterbewertet

Im vergangenen Jahr hatte die USA in der Handelsbilanz mit China noch ein Defizit in Höhe von 124 Milliarden Dollar ausgewiesen. Für die Bush-Administration ist das riesige Defizit im Wahljahr ein Problem: Sie hatte den Druck auf China erhöht, eine Aufwertung der eigenen Währung RMB zuzulassen und damit die Exportchancen der USA in China zu verbessern.

Bislang ist der RMB in einer engen Spanne an den US-Dollar gebunden und gilt als unterbewertet. Einige konservative Politiker hatten unter anderem China für Jobverluste in den USA verantwortlich gemacht.

Die Verhandlungsergebnisse seien jedoch keine einseitigen Zugeständnisse Chinas, betonten die Unterhändler. Die USA hätten zugesagt, den Verkauf bestimmter Hochtechnologie-Maschinenteile nach China zu erleichtern. Die USA habe sich damit bislang zurückgehalten, um sich möglichst lange einen Wettbewerbsvorsprung zu sichern.

Rasantes Wachstum - Chinas Notenbank will bremsen

In den vergangenen Monaten sind die US-Exporte in die boomende chinesische Volkswirtschaft bereits rasant angestiegen. China hat auf Grund seiner zweistelligen Wachstumsraten inzwischen selbst ein Interesse daran, Dampf aus dem Kessel zu lassen und eine Überhitzung der eigenen Volkswirtschaft zu vermeiden. Wegen der steigenden Importe aus den asiatischen Nachbarländern und wegen seines hohen Bedarfs an Öl und Gas weist China weltweit gesehen inzwischen selbst ein Handelsbilanzdefizit auf, die Importe übersteigen also den Wert der Exporte.

Trotz einer möglichen Aufwertung der Währung RMB und der Diskussion um eine nahende Zinserhöhung in China wird die chinesische Wirtschaft einem Pressebericht zufolge im Frühjahrsquartal weiter zweistellig wachsen. Wegen der Erholung bei Konsum und Investitionen werde das Wirtschaftswachstum die Marke von zehn Prozent überschreiten, berichtet die "Shanghai Securities News" unter Berufung auf den regierungsnahen Volkswirt Ba Shusong. Der Konsum werde ebenfalls deutlich zulegen, wobei die Einzelhandelsumsätze stärker wachsen dürften als in den ersten drei Monaten des Jahres (10,7 Prozent).