Handelbare Indexfonds Modell für Börsenlaien
Frankfurt am Main Bei den ETF handelt es sich um indexgebundene Investmentfonds, die seit 2000 auch in Deutschland an den Börsen gehandelt werden. Nach einer Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) wurden in Deutschland 2005 rund vier Milliarden Euro in solche Indexfonds investiert. Das sind etwa 1,6 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor.
Nach Einschätzung der Stiftung Warentest sind ETF eine gute Alternative oder Ergänzung zu aktiv gemanagten Investmentfonds oder Indexzertifikaten. Denn sie können nicht schlechter als der Markt abschneiden - allerdings auch nicht besser.
Deutsche Privatanleger halten sich mit einem Engagement in derartige Fonds bislang allerdings stark zurück. Dabei eignet sich das seit langem in den USA und Großbritannien praktizierte Modell auch für ausgesprochene Börsenlaien. Denn ein Investment in ETF ist gar nicht so kompliziert, wie es den Anschein haben mag. Von Kreditinstituten wird diese Fondsart allerdings nur zögerlich empfohlen, weil sie mit ihnen nicht viel verdienen können.
Mittlerweile sind über 100 ETF auf dem deutschen Markt. Ebenso wie Aktien können die Fondsanteile jederzeit gekauft und wieder verkauft werden. Damit sind sie sehr flexibel. Der Anleger erteilt die Order, indem er seiner Haus- oder Direktbank die Wertpapierkennnummer (WKN) beziehungsweise die Internationale Wertpapierkennziffer (Isin) und die Anzahl der zu ordernden Titel angibt sowie eventuell ein Limit setzt. Für diesen Vorgang benötigt er ein Depotkonto bei der Bank.
Günstige Kostenbilanz / Ein Nachteil
Unterschieden werden zwei Arten von Exchange Traded Funds: die passiv und die aktiv geführten. Die Mehrzahl der ETF sind passiv gehandelte Fonds. Ihr Ziel ist es, einen Index nachzubilden. Der Fonds investiert also in alle Aktien, aus denen sich der Index zusammensetzt. So können Anleger beispielsweise mit dem Divdax EX auf die 15 Dax-Werte mit der besten Dividendenrendite setzen. An der Zusammensetzung von passiv gemanagten Fonds ändert sich nur dann etwas, wenn sich am Index etwas ändert, zum Beispiel ein Unternehmen ausscheidet.
Weil passiv gemanagte Fonds nicht viel Arbeit machen, sind sie für den Anleger besonders kostengünstig. Die Verwaltungskosten sind gering und auch die Handelskosten sind niedriger als bei herkömmlichen Investmentfonds. Der Spread - die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs - macht nur etwa 0,1 Prozent aus. Deshalb eignen sich die ETF für ein schnelles Agieren an der Börse. Sie verbinden die Flexibilität einer Aktie mit der Risikostreuung eines Investmentfonds. Ein weiterer Vorteil für den Anleger ist die hohe Transparenz, denn alle Börseninformationen wie An- und Verkaufskurse, Spread und Handelsvolumina werden kostenlos veröffentlicht.
Der Nachteil passiv gehandelter Fonds besteht allerdings darin, dass bei fallenden Aktienkursen nicht eingegriffen werden kann, da ja immer der Index abgebildet bleiben muss. Das ist jedoch für aufmerksame Anleger kein unlösbares Problem. Denn entwickelt sich der ETF nicht wie erwartet, kann der Anleger seine Anteile schnell wieder verkaufen, da der Fonds ja börsentäglich gehandelt wird.
Reiner Fischer, ddp