Handy-Flop: Siemens stoppt Modekollektion - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Handy-Flop Siemens stoppt Modekollektion

Mit der Marke Xelibri wollte Siemens den letzten Schrei in Sachen Handy-Design auf den Markt bringen. Zeitungsberichten zufolge beendet der Konzern sein Mode-Abenteuer nun mit hohen Verlusten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - "In der Xelibri-Welt verschmelzen die ultimativen Highlights aus Beauty und Mode", hatte es noch im März in einer Pressemeldung von Siemens   geheißen. Mit vier neuen Handy-Modellen, deren Aussehen irgendwo zwischen Schminkspiegel und Tamagotchi herumirrte, wollte der größte deutsche Technikkonzern noch einmal das "Größte und Beste des Fashion Kosmos zu einem einmaligen Accessoire" verbinden.

Fotostrecke

Siemens-Ladenhüter: Die Xelibri-Handys

Mit den großspurigen Mode-Tönen ist jetzt Schluss. Siemens-Sprecher bestätigten dem "Handelsblatt" und der "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass es keine weiteren Xelibri-Kollektionen mehr geben werde. Rudi Lamprecht, Chef der Mobilfunksparte ICM hatte Xelibri erst im Januar 2003 mit großem Tamtam in London gestartet. Die Modehandys, von denen bislang acht Modelle auf den Markt gekommen sind, sollten den Marktanteil der Münchner deutlich erhöhen. Bisher ist Siemens hinter Nokia  , Motorola   und Samsung   Nummer vier auf dem Handy-Markt.

Die Xelibri-Geräte kosteten zwischen 200 und 400 Euro und sollten ähnlich wie Modeprodukte jeweils im Frühling und im Herbst in einer neuen Kollektion auf den Markt kommen und nur zwölf Monate im Verkauf sein. Der Vertrieb sollte über Kaufhäuser und Modeboutiquen erfolgen. Doch der Erfolg stellte sich nicht ein, das Projekt erwies sich als Flop. Um den Umsatz noch einmal in die Höhe zu treiben, kamen die Xelibri-Handys dann auch auf die Grabbeltische von Saturn-Hansa.

Nach Angaben der "FAZ" lag den Verlust, den Siemens mit dem Xelibri-Projekt eingefahren hat, bei mehr als 100 Millionen Euro. Allein die erste Kollektion soll Siemens Abschreibungen und Kosten für Lagerbestände von 72 Millionen Euro beschert haben. Dazu kämen noch Kosten für die Forschung und Entwicklung. Insgesamt sollen nur rund 100.000 Xelibri-Handys verkauft worden sein.

Wie hoch die Abschreibungen für die zweite Kollektion sein werden, ist noch unklar. Siemens schloss indes nicht aus, dass der Markenname Xelibri weiter geführt werde. Nur welches Produkt dahinter stehen könnte, darüber herrscht Rätselraten.

Der Misserfolg bleibt der "FAZ" zufolge ohne personelle Konsequenzen. George Appling, der bisher für Xelibri verantwortliche Manager bei ICM, verantwortet weiterhin die Strategie im Mobiltelefongeschäft.