Handy-Klingeltöne Melodien für Milliarden
Hamburg - Rund 3,5 Milliarden Dollar gaben die Nutzer 2003 für Klingeltöne aus. Damit macht der Absatz der Melodien etwa zehn Prozent des globalen Musik-Geschäfts aus. Eine Studie der Arc Group, einer Beratungsfirma der Telekommunikations-Branche, prognostiziert für das Jahr 2008 einen weiteren Anstieg bis auf 5,2 Milliarden Dollar.
Die Einnahmen aus dem Geschäft teilen sich die Musikindustrie, die Netzbetreiber und die Anbieter der Töne zu je einem Drittel. Der europäische Marktführer Jamba registriert monatlich rund eine Million Downloads. Ein Klingelton kostet bei Jamba 1,99 Euro. Die Gebühr wird über die Telefonrechnung abgebucht. 200 Mitarbeiter arbeiten in dem Unternehmen in Berlin-Kreuzberg.
Durch den technischen Fortschritt bei den Geräten gibt es auch immer neue Formen, die Melodien einzusetzen. Nach den polyphonen, also mehrstimmigen Klingeltönen, heißt der neue Trend "real tone": Die Handys spielen Musik in Original-Qualität ab. Beim "Handy-Karaoke" läuft der Liedtext zur Melodie über das Display.
Die Melodien, die Anfangs als Marketing-Trick der Mobilfunk-Anbieter dienten, sind besonders unter Kindern und Jugendlichen beliebt. Für immer mehr wird das Handy dabei zur Schuldenfalle. Von 1999 bis 2002 stieg die Zahl der 20- bis 24-Jährigen, die wegen einer Eidesstattlichen Versicherung oder einer Privatinsolvenz bei der Schufa gemeldet waren, um fast ein Drittel auf 174.000 Fälle. Das Hanseatische Oberlandesgericht hat daher im im März 2003 die Werbung für kostenpflichte Klingelton-Downloads in Jugendzeitschriften verboten.
Trotz des Wachstums bleiben die Klingeltöne aber weiter hinter den Textnachrichten zurück. Für SMS kassierten die Netzbetreiber im vergangenen Jahr weltweit rund 40 Milliarden Dollar.