Handy-Markt: Kundenboom bei Billiganbietern - DER SPIEGEL
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Handy-Markt Kundenboom bei Billiganbietern

Die Preise fallen immer tiefer und die herkömmlichen Anbieter geraten heftig unter Druck - der Einstieg der Billiganbieter hat so einiges verändert auf dem Mobilfunkmarkt. Doch der Deutschland-Chef von T-Mobile, Philipp Humm, ist trotzdem überzeugt: Am Ende werden alle von dem Trend profitieren.
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Hamburg - Die Billiganbieter werden in ihrer Wirtschaftskraft überschätzt, glaubt Humm. Selbst unter optimistischen Annahmen stünden die Discount-Tarife höchstens für fünf Prozent des Umsatzes auf dem Markt. Trotzdem aber weiß auch Humm: Die Mobilfunk-Discounter sind klein aber einflussreich. Die herkömmlichen Anbieter ständen schwer unter Druck, bei den immer niedrigeren Preisen nachzuziehen.

Tatsächlich kommen die Billiganbieter insgesamt gerade einmal auf einen Marktanteil von zwei Prozent, heißt es aus Branchenkreisen - doch die Marktmacht steige zusehends. Allein im ersten Quartal hätten die Discount-Anbieter rund eine halbe Millionen Kunden in Deutschland gewonnen. Insgesamt gäbe es schon 1,5 Millionen Nutzer solcher Angebote. Bis Ende 2006 rechnen die Insider noch mit einem Anstieg auf bis zu vier Millionen Kunden, wie ein mit den Zahlen vertrauter Manager der Nachrichtenagentur dpa-AFX sagte.

Wie sich die Marktanteile derzeit genau verteilen, ist schwer nachzuvollziehen, da die Unternehmen selbst diesbezüglich keine Zahlen veröffentlichen. Branchenkreisen zufolge ist jedoch die E-Plus-Tochter Simyo unangefochter Marktführer, gefolgt von debitel light. Während Simyo über 600.000 Kunden haben soll, komme debitel light auf rund 150.000 und EasyMobile auf rund 50.000 Kunden.

E-Plus hatte mit dem Start von Simyo vor zehn Monaten den Grundstein für die Entwicklung des Billigsegments gelegt. Kurz darauf folgten Debitel light, Klarmobil, Simply und Blau.de. Schließlich stieg sogar der Lebensmitteldiscounter Aldi ins Mobilfunkgeschäft ein und verschärfte den Preisdruck noch mal - inzwischen liegen die günstigsten Minutenpreise bei 15 Cent. Experten erwarten, dass dieses Jahr die Durchschnittspreise für Handy-Gespräche nochmals um bis zu 20 Prozent sinken werden.

Auf der Suche nach Vertriebspartnerschaften

Viele Unternehmen kündigen deshalb bereits an, das Geschäft mit den Ramsch-Tarifen deutlich ausbauen zu wollen. "Das Segment der Discount-Anbieter wird einen stabilen Anteil am Markt erobern", sagt etwa E-Plus-Sprecherin Catrin Glücksmann. Man wolle deshalb die Kooperation mit Aldi deutlich ausbauen - die Aldi-Handy-Kunden telefonieren über das Netz von E-Plus. Vodafone D2 schloss vor wenigen Tagen einen Kooperationsvertrag mit der Drogeriekette Schlecker. In einem dpa-AFX vorliegenden Schreiben bietet das britische Unternehmen außerdem weiteren Billiganbietern den Weitervertrieb von Handyverträgen an. Namen und Logo will Vodafone bei den Angeboten allerdings nicht zur Verfügung stellen - um die Marke nicht zu verwässern. Vodafone will sich zu dem Thema auch nicht äußern.

Auch T-Mobile-Chef Humm sperrt sich nicht vollends gegen den Trend zum Sonderangebot. Eine Zweitmarke sei derzeit zwar nicht in Planung, für weitere Vertriebspartnerschaften sei man aber offen. Schon jetzt arbeitet T-Mobile mit Simply oder Klarmobil zusammen. Und trotz des Drucks, den die Billiganbieter ausüben sieht Humm die Zukunft positiv. Zwar müsse man wegen der fallenden Preise auch auf der Kostenseite nach Einsparmöglichkeiten suchen. Letztlich stünden am Ende aber weitere Umsatzzuwächse: Weil die Leute bei billigeren Preisen auch mehr telefonierten. "Die Kostensperre in den Köpfen wird fallen", prophezeit Humm. "Daran arbeiten wir intensiv."

ase/dpa-AFX/ddp