Handy-Rivalen Motorolas Schwäche ist Nokias Triumph
Helsinki - Die Nokia -Aktie schoss um mehr als acht Prozent in die Höhe und erreichte den höchsten Stand seit fünf Jahren. Die Börsianer störte dabei kaum, dass das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) nach der Gründung einen Milliardenverlust und einen Umsatzrückgang einfuhr. Bei NSN drohen nun weitere Stellenstreichungen in Deutschland und Finnland.
Nokia machte im zweiten Quartal einen Betriebsgewinn von 2,36 Milliarden Euro - zum Vorjahr ein Anstieg von fast 60 Prozent. Branchenexperten hatten dem Unternehmen lediglich ein Plus von fünf Prozent zugetraut. Den Umsatz schraubte Nokia um knapp 30 auf rund 12,6 Milliarden Euro in die Höhe. Der Weltmarktführer verkaufte zwischen April und Juni fast 101 Millionen Handys und damit mehr als seine drei wichtigsten Konkurrenten zusammen. Damit stammten 38 Prozent aller weltweit verkauften Handys von Nokia.
Dabei taten sich die Finnen offenbar alles andere als schwer: Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo sprach in einer Telefonkonferenz von einer "relativ einfachen" Wettbewerbssituation. Zwar habe sich der Konzern langfristig das Ziel gesetzt, einen Marktanteil von 40 Prozent zu erreichen.
Dies sei aber nicht als Grenzwert zu verstehen, betonte Kallasvuo, im Gegenteil: Sollten es die Umstände erlauben, könne Nokia die 40 Prozent sogar übertreffen, kündigte er an.
"Nokia füllt das Vakuum"
Branchenexperten machten vor allem die Schwäche von Motorola für Nokias Erfolg verantwortlich. "Nokia scheint einen großen Teil des Vakuums zu füllen, dass Motorola hinterlässt", erklärte Ilkka Rauvola von Danske Markets. Der US-Konzern schreibt derzeit rote Zahlen, weil es ihm bislang nicht gelungen ist, Nokia bei billigeren Handys Marktanteile abzuluchsen. Vor kurzem verdrängte der koreanische Konzern Samsung den US-Hersteller sogar vom zweiten Platz am Weltmarkt, der Vorsprung von Nokia vor Motorola war im Frühjahr noch nie so groß. Branchenexperten führen dies vor allem auf eine bessere Produktpalette bei Nokia zurück. Außerdem seien die Finnen wegen der riesigen Stückzahlen wettbewerbsfähiger.
Im kommenden Jahr will Nokia nun mit dem Verkauf von Billigtelefonen mit Infineon -Chips beginnen. Die Finnen hatten sich im Februar für einen Halbleiter des Münchner Konzerns entschieden, der mehrere Grundfunktionen eines Mobiltelefons auf einem einzigen Chip vereint und so die Produktionskosten für einfache Apparate weiter drücken soll.
Im Gegensatz zum Handy-Geschäft bereitet den Finnen das gemeinsam mit Siemens betriebene Netzwerk-Geschäft Sorgen. Das Joint Venture NSN, bei der die Finnen das Sagen haben, verbuchte einen Verlust von 1,26 Milliarden Euro.
Nokia-Chef Kallasvuo kündigte deshalb an, dort den Sparkurs zu verschärfen. Die jährlichen Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro müssten nun bereits 2008 und damit zwei Jahre früher als zunächst geplant erreicht werden.
Siemens hatte zum ersten April sein Geschäft mit Telefon- und Datennetzen in die Gemeinschaftsfirma eingebracht, die nun in ihrem ersten Quartal 3,44 Milliarden Euro umsetzte. Dies entspricht einem Minus im Quartals- und Jahresvergleich von mehr als zehn Prozent, wie Finanzchef Rick Simonson sagte. Für den Stellenabbau und die Umstrukturierung wurden in den ersten drei Monaten allein 905 Millionen Euro verbucht. Nach bisherigen Plänen will das Joint Venture bis 2010 weltweit bis zu 9000 Stellen streichen, knapp 2300 davon in Deutschland.
itz/Reuters