Hart und smart - DER SPIEGEL
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FRAUENARBEIT Hart und smart

Immer mehr amerikanische Frauen üben Berufe aus, die früher Männern vorbehalten waren.
• aus DER SPIEGEL 9/1972
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wir töten nicht nur Wanzen, verkündete Tina Mandel, Chefin des Now Yorker Kammerjäger-Unternehmens »Lady Killers«, »wir töten auch das Image von der schwachen amerikanischen Frau mit den zarten weißen Händen.«

Seit langem haben sich Amerikas Wissenschaftlerinnen die soziale und finanzielle Gleichberechtigung mit ihren männlichen Fachkollegen erkämpft. Nun treten Amerikas Frauen auch in der gewerblichen Wirtschaft gegen das Vorurteil an, nach dem nur Männer Lastzüge steuern. Schwimmbecken reparieren oder Telephonleitungen installieren können.

In allen amerikanischen Großstädten gründen immer mehr »zupackende Frauen« (so die »New York Times") Dienstleistungsunternehmen und Handwerksbetriebe. »Noch vor zwei Jahren«, beschrieb Margaret Bodfisch, Chefin eines Klempner-Betriebs mit weiblichen Angestellten in San Francisco. die Entwicklung, »lachte man über mich und meine Klempnerinnen. Heute nehmen uns, Kunden und Konkurrenz ernst.«

Viele Handwerkerinnen übertreffen gar ihre männlichen Berufskollegen so etwa die New Yorker Tischlerin Joyce Hartwell, Chefin der Firma Lady Carpenter Enterprises. Die Möbelschöpfungen von Hartwells Tischlerinnen werden in Fachkreisen und Branchenzeitschriften hoch gerühmt.

Oft aber wird den Handwerker-Ladies der Aufstieg zum geschäftlichen Erfolg schwerer gemacht als männlichen Konkurrenten. »Unter den Anrufen, die uns erreichen«, so klagte die Leiterin einer New Yorker Anstreicherinnen-Firma, »haben wir häufig mehr unsittliche Anträge als Aufträge von Kunden.«

Viele der Frauen-Firmen machen jedoch gerade durch die Betonung ihrer Weiblichkeit Geschäfte. So etwa das New Yorker Speditions-Unternehmen Mother Truckers. »Wenn wir anrücken«, so brüstet sich Mother-Truckers-Chefin Crabtree -- ein ehemaliges Photomodell -, »dann wird jeder Umzug zur Show. Viele Leute mögen das.«

Manche Kunden, vor allem Frauen, geben aus anderen Gründen einem Lady-Handwerker den Vorzug. »Unsere Auftraggeber«, so meinte eine New Yorker Fernseh-Mechanikerin, »fühlen sich einfach sicherer, wenn eine Frau in ihrer Wohnung arbeitet.«

Neuerdings vertrauen auch immer mehr Industriefirmen Arbeiten, die einst

* Bei Tischlerarbeiten in der Firma Lady Carpenter Enterprises in New York.

als typisch männlich galten, nun weiblichen Arbeitnehmern an. So vergrößerte die Kühlaggregatefirma Copeland Refrigeration in Sidney (US-Bundesstaat Ohio) ihre weibliche Belegschaft um 15 Prozent. weil sie Frauen ehemals traditionelle Männertätigkeiten zuwies.

»Frauen«, so erklärte Copeland-Chef Cross« »sind heute einfach geschickter als noch vor zehn Jahren. Das ist nun einmal ein Fortschritt unserer Gesellschaft.«

Die Telephongesellschaft Illinois Bell Telephone Co. beschäftigt seit kurzem sogar weibliche Installateure von Telegraphen-Leitungen. »Bei der Arbeit«, so brüstete sich Bell-Angestellte Mary Ann Goold, »bin ich sogar meinen männlichen Kollegen über. Denn heim Erklettern eines Telephon-Mastes kann ich mich durch meine Oberweite sichern. Ein Mann kann das nicht.«

Freilich können Amerikas Aufsteigerinnen, denen laut US-Gesetz der gleiche Lohn zusteht wie ihren männlichen Berufskollegen, nur selten auf die Hilfe der Gewerkschaften zählen. »Leider«, klagte die kalifornische Klempnerin Bodfisch, »rebellieren unsere patriarchalischen Gewerkschaften, wenn eine Frau in einen Männerberuf aufrückt.«

Auch gewähren Amerikas Gewerk schaften weiblichen Mitgliedern nur zögernd Schutz. So erhoben die Arbeitnehmer-Vertreter nur lahmen Protest, als die Manager der Papiermühle Crown Zellerbach in Antioch (US-Bundesstaat Kalifornien) ihre gesamte weibliche Belegschaft entlassen wollten. »Wir Mädchen«. empörte sich die Mechanikerin Hazle Hill. »mußten uns selbst mit Klauen und Zähnen wehren.

Trotz solcher Rückschläge scheint der Vormarsch von Amerikas Frauen in »fast alle Positionen der Wirtschaft« (so Copeland-Chef Cross) unaufhaltsam. Selbst in die Vorstandsetagen dringen weibliche bp-Manager ein.

In einer Untersuchung stellte die Harvard-Doktorandin Margaret Hennig fest, daß mehr als hundert Frauen an der Spitze großer und mittlerer Firmen (mit jeweils mehr als zehn Millionen Dollar Umsatz pro Jahr) stehen.

Freilich fand Margaret Hennig heraus, daß diese »harten und smarten« Frauen den Aufstieg von Geschlechtsgenossinnen keineswegs begünstigen. Hennig: »Es tritt ein Bienenköniginnen-Effekt auf: Nur eine darf im Schwarm herrschen.«

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